Hilfe, andere Mütter nerven mich!

Jede Frau, die zum ersten Mal Mutter geworden ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr das eigene Leben durch ein Kind von einem Moment auf den anderen auf den Kopf gestellt wird und was für eine riesige Anpassungsleistung dabei verlangt wird. Und egal wie sehr man meint, von anderen darauf vorbereitet worden zu sein und eine realistische Idee davon zu besitzen, was auf einen zukommen wird, wir alle wissen: Dem ist nicht so!

Niemand kann auch nur ansatzweise beschreiben, wie sich Schlafentzug, anhaltendes Brüllen, wunde Brüste und diese unbeschreiblich große Verantwortung anfühlen.

Darüber hinaus werden die meisten Mütter vermutlich die Erfahrung gemacht haben, dass es nicht nur diese Herausforderungen sind, die in geballter Ladung auf einen einprasseln, sondern man plötzlich auch mit etlichen anderen Müttern konfrontiert wird, die das Nervenkostüm auf die Probe stellen können.

Wer was auf sich hält und keine Rabenmutter sein will, meldet sich am besten schon aus dem Kreissaal  in den verschiedensten Kursen an, denn wie wir alle wissen, kann aus unseren Kindern ja nur was werden, wenn sie ein Diplom in Pekip und Babyschwimmen erworben haben und sich mit dem Titel Bewegungskobold oder Musikwichtel schmücken können. Genau diese Kurse sind allerdings auch Tummelplatz für Frauen, mit denen man ohne Kind höchstwahrscheinlich eher nicht in Kontakt gekommen wäre.

Plötzlich findet man sich in allerhand skurriler bis nervtötender Situationen wieder, die einem noch lange lebendig im Gedächtnis bleiben werden.

Welche der folgenden drei kommt dir bekannt vor?

  1. Kaum ist der gebuchte Kurs gestartet, bei dem du im Vorfeld froh warst, angesichts der riesigen Warteliste über Vitamin B noch einen Platz bekommen zu haben, stellst du in der Vorstellungsrunde auch schon fest, dass mindestens die Hälfte der Teilnehmerinnen so gar nicht auf deiner Wellenlänge sind. Und ehe du dich versiehst, findest du dich in einer WhatsApp-Gruppe wieder, in der sich täglich über die Beschaffenheit des großen Geschäfts, die besten Brei-Rezepte oder die Anzahl der Stunden, die Kind XY am Stück geschlafen hat, ausgetauscht wird. Dank der Option „Stummschaltung“ alles noch zu ertragen, wäre da nicht am Ende des Kurses der Vorschlag, sich ab jetzt monatlich zu treffen, um in Kontakt zu bleiben.
  2. Die Nacht war schon nicht die beste, du bist dementsprechend gelaunt und auch dein Kind entpuppt sich nach dem Aufwachen eher als Motzkopf anstatt als das Exemplar, das man sich vorstellt, wenn man sich dafür entscheidet, den Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. Du entscheidest dich also dafür, möglichst viel mit dem Kinderwagen unterwegs zu sein, in der Hoffnung, dass dein Kind den längst überfälligen Schlaf nachholt und du einige ruhige Stunden hast. Kaum im ersten Geschäft angekommen, brüllt es sich weg, sodass alle Anwesenden dich entweder mitleidig oder peinlich berührt anschauen, bis eine Mutter mit Maxi Cosi und Kind im etwa gleichen Alter sich einschaltet: „Äääähm, hat der Kleine vielleicht Hunger oder haben Sie es mal mit einem Schnuller versucht?“. Mensch, geniale Ideen!!! Dass ich da selber nicht draufgekommen bin!
  3. Endlich scheinst du mal in einem Kurs gelandet zu sein, wo ungeplante Überraschungen eher die Ausnahme zu sein scheinen, da hast du auch schon einen Kettenbrief im Briefkasten (Ja, du hast richtig gehört! So etwas gibt es nicht nur bei WhatsApp, sondern auch in der Mütter-Szene). Dieser enthält das höchst attraktive Versprechen, dass dein Kind mit sage und schreibe 30 Pixi-Büchern belohnt wird, wenn du dich dreimal im Kreis drehst, dir auf die Nase tippst und dabei laut deinen Namen rufst. Abgesehen davon, dass du nicht weißt, an wen aus deinem Freundes- und Bekanntenkreis du diesen Kettenbrief weitergeben könntest, ohne dich völlig lächerlich zu machen, fragst du dich auch, was man mit 30 Pixi-Büchern soll. Ablage P.

In diesem Artikel wird es darum gehen, welche Verhaltensweisen einen in der Begegnung mit anderen Müttern besonders strapazieren können, welche Gründe sich dahinter verbergen und was du tun kannst, um herausfordernde Situationen galant zu meistern.

Womit uns andere Mütter auf die Probe stellen und was sie antreibt

Neben dem bereits genannten Drang nach Vernetzung und übergriffigen Ratschlägen gibt es etliche andere Verhaltensweisen, die einen großen Nerv-Faktor haben.

Ob Mütter, die jede Sekunde nutzen, um in Endlosschleife jedes noch so uninteressante Detail von ihrem Kind zu teilen und so gar kein anderes Thema mehr kennen oder Mütter, die pausenlos Tipps parat haben, obwohl sie selbst noch absolute Neulinge in der Kinder-Branche sind. Daneben gibt es noch diejenigen, die bereits das zweite Kind haben, jedoch durch völlige Planlosigkeit auffallen, sodass sich einem sofort die Frage aufdrängt, wie sie das erste Kind aus dem gröbsten herausbekommen haben oder ob sie es schon als ausgereiftes Exemplar auf die Welt gebracht haben.

Man muss aber gar nicht erst warten, bis die Kinder auf der Welt sind, denn auch schon in Geburtsvorbereitungs-, Säuglingspflege- oder Erste-Hilfe-Kursen finden sich Eltern, die mit ihrem Auftritt nach wenigen Minuten klar gemacht haben, dass eigentlich sie den Kurs halten müssten und deutlich mehr Expertise besitzen als jede(r) andere im Raum.

Doch wo kommt solches Verhalten her?

Hinter dem Drang, die eigenen Erfahrungen oder das erworbene Wissen in Form kluger Tipps weiterzugeben, steckt häufig das Bedürfnis nach Anerkennung und Aufmerksamkeit.

Auch ist dies ein typisches Verhalten von Menschen, die ihr Selbstbewusstsein daraus beziehen, dass sie anderen helfen und sich nützlich machen.

Der Drang nach Vernetzung hängt oftmals mit einem Wunsch nach Bindung und Integration zusammen, möglicherweise auch in der Hoffnung, Solidarität und Unterstützung zu erfahren. Meist handelt es sich hier um sehr soziale Wesen, deren Selbstwert sich aus dem Zusammensein mit anderen nährt oder die Schwierigkeiten haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Eine gewisse Planlosigkeit kann daraus resultieren, dass es bisher stets Menschen gab, die die Führung oder Verantwortung für sie übernommen haben und Selbstständigkeit gar nicht unbedingt erforderlich war.

Die Gründe für übergriffiges Verhalten sind vielfältig (wir verweisen an dieser Stelle auch gerne auf unseren Artikel zu diesem Thema): Fehlen sozialer Kompetenzen, ein mangelndes Gespür für die eigene Wirkung oder die Tendenz, sich lieber mit den Problemen anderer als mit den eigenen Baustellen zu beschäftigen – hier ist vieles möglich.

5 Tipps zum Umgang mit nervigen Müttern anderer Kinder

Da es gewisse Verhaltensweisen und Problemsituationen gibt, die aus unserer Erfahrung und den Gesprächen mit anderen Müttern gehäuft auftreten, haben wir unsere Tipps nach Kategorien aufgeteilt, damit du für die verschiedensten Fälle gewappnet bist.

  • Nur noch das eine Thema
    Gibt es für die andere scheinbar kein anderes Gesprächsthema mehr, als den eigenen Nachwuchs oder Kinder generell, hängt deine Strategie von eurer Beziehung ab.
    Handelt es sich um eine gute Freundin, könntest du es freundlich ansprechen, ohne ein großes Ding daraus zu machen, beispielsweise mit dem Verweis darauf, dass du die Freundschaft gerade deswegen schätzt, weil dort so viele andere Themen ihren Platz haben („Gefühlt dreht sich ab Geburt pausenlos alles um das eigene Kind, da bin ich froh, dass es unsere Freundschaft/Gespräche gibt, wo man das Thema auch mal ausklammern und über so viele andere Sachen sprechen kann“).
    Bei nahezu Fremden oder Bekannten ist es häufig am effektivsten, höflich Desinteresse zu vermitteln, indem man alles unterlässt, was das Gespräch weiter anheizen würde, d.h. Nachfragen, von sich erzählen oder neuen Stoff liefern.
  • Drang nach Vernetzung
    Auch wenn es dein innerer Drang ist, der anderen ungefiltert mitzuteilen, dass sie nicht dein Fall ist oder dir deine Zeit dafür definitiv zu schade ist, ist hier vermutlich eine freundliche, aber unmissverständliche Ansage am sinnvollsten, anstatt sich jedes Mal eine neue Ausrede einfallen zu lassen und sich damit von Treffen zu Treffen zu hangeln.
    Wie wäre es zum Beispiel damit: „Auch wenn das nach einer netten Idee klingt, ich bin aktuell recht ausgelastet und es wäre für mich zeitlich gesehen eher Stress als Spaß, von daher bin ich leider raus“. Damit sollte sich niemand gekränkt fühlen, du hast aber für Klarheit gesorgt.
  • Übergriffigkeit
    Hält sich das übergriffige Verhalten noch in einem gewissen Rahmen und die andere ist halbwegs empfänglich für Botschaften zwischen den Zeilen, dann versuche es zunächst mit Humor („Schreien wegen Hunger?! An diese Idee habe ich ja noch gar nicht gedacht!“). Handelt es sich um ein Exemplar, das schwerer von Begriff ist und zwischenmenschlich wenig Gespür mitbringt, dann helfen nur freundlich-bestimmte, klare Ansagen wie z.B. „Danke, ich komme dann auf dich zu, wenn ich nochmal Rat brauche“. Etliche andere Strategien findest du auch in unserem Artikel zum Thema Distanzlosigkeit.
  • Planlosigkeit
    Bezüglich Planlosigkeit kannst du dich ganz beruhigt auf ein ungeschriebenes Gesetz verlassen: Jedes Töpfchen hat sein Deckelchen.
    Auf jede planlose Mutti kommt mindestens eine gut strukturierte oder übermäßig hilfsbereite Geschlechtsgenossin, die Befriedigung daraus zieht, das zu kompensieren, was die andere zu wenig hat. Die perfekte Symbiose, eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Anstatt also die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, warte einfach, bis die zwei sich gefunden haben und jemand anderes den Job für dich übernimmt. Sollte das nicht von alleine passieren, kannst du der planlosen Person gerne auch einen Tipp geben, wo sie kompetente Hilfe findet, z.B. in Form von guten Büchern, Kursen oder Ansprechpartnern.
  • Klugscheißerei
    Sofern du es eher amüsant als ärgerlich oder nervig findest, lehne dich einfach zurück und genieße die Show. Sind Freundinnen von dir mit dabei, habt ihr hinterher besten Gesprächsstoff erster Klasse, über den ihr euch gemeinsam belustigen könnt. Ansonsten werden sich dein Partner oder deine Freundin bestimmt beim nächsten Treffen über solche Anekdötchen freuen, die oft so schräg sind, dass man sich auch dann noch darüber beömmeln kann, wenn man nicht live mit dabei war.

Manches regelt sich auch von alleine

Das Thema „Kinder“ ist so dermaßen komplex und bietet so viel Potenzial für zwischenmenschliche Herausforderungen, dass man es vermutlich von unzähligen Seiten beleuchten könnte.

Letztlich sollten wir uns immer gewahr bleiben, dass jede von uns – so normal, unauffällig und zwischenmenschlich kompatibel wir uns auch selbst bewerten würden – sich früher oder später  gelegentlich in der ein oder anderen Rolle wiederfinden könnte.

Darüber hinaus ist es beruhigend zu wissen, dass sich die zueinander passenden Charaktere in aller Regel irgendwann von alleine zusammenfinden und vieles entspannter wird, wenn man selbst in seiner neuen Rolle angekommen ist. So sehr man sich urplötzlich von den vielen Veränderungen überflutet fühlt, so schnell lernt man doch dazu und kann die erste Anspannung hinter sich lassen.

Bis dahin sollte man sich zu nichts hinreißen lassen, nur weil man notgedrungen für eine bestimmte Zeit im selben Boot sitzt. Oftmals sind die Kinder der einzige gemeinsame Nenner und dabei darf es auch gerne bleiben 😊


Liebe Leserin – Welche unvergesslichen zwischenmenschlichen Erfahrungen hast du mit anderen Müttern gemacht, als du selbst neu im Baby-Business warst? Wie hast du unliebsame Situationen bewältigt? Wir freuen uns über deinen Kommentar.

Weiterführende Links zum Beitrag:

Ein herrlich ehrlicher Artikel zur „Müttermafia“, der uns aus dem Herzen spricht und der treffender nicht sein könnte, findet sich hier

Höchst amüsant und leider völlig zutreffend empfinden wir „18 fiese Sätze, mit denen Mütter andere Mütter nerven“ auf Wunderweib.de

 

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