Wie du sinnvoll damit umgehst, wenn deine Kollegin sich ständig krankmeldet

Es ist wieder Montag und die Stimmung nach dem Wochenende eher verhalten. Fünf volle Arbeitstage liegen vor dir und der Wecker hat viel zu früh geklingelt. Kaum auf der Arbeit erschienen, vermeldet der Chef, dass deine „Lieblingskollegin“ sich mal wieder krankgemeldet (oder in deinen Worten: ein verlängertes Wochenende gegönnt) hat. 

„Ich fühle mich heute so komisch”. Bevorzugt montags oder freitags. 

Jede Wette: Wer hat nicht diese eine Kollegin, die bevorzugt montags, freitags oder auch nach dem Urlaub den berühmt-berüchtigten gelben Schein einreicht. Ist es nicht wegen Rücken, dann wegen Migräne, Knie oder Zahnschmerzen. Besonders übel stoßen auch so schwammige Angaben wie „Ich habe Kreislauf“ oder „Ich fühle mich heute so komisch“ auf. Und wenn man mal zurücküberlegt, dann sah diejenige gestern eigentlich noch quietschfidel und so gar nicht kränkelnd aus. Ein beliebter Mythos aus unseren eigenen Gefilden ist die ohnehin nicht durch übermäßigen Arbeitseinsatz glänzende Kollegin, die angeblich am Tag ihrer Krankschreibung 100 km entfernt in einem bekannten schwedischen Möbelhaus angetroffen wurde. Hört man mal in seinem Freundes- oder Bekanntenkreis herum, dann scheint die Anzahl an Menschen, die ein sehr schwaches Immunsystem zu haben scheinen, doch recht hoch zu sein. Entsprechend groß ist der Ärger bei denen, die davon auf der Arbeit unmittelbar betroffen sind. Erst recht, wenn der Eindruck entsteht, es sind häufig die, die ohnehin schauen, wie sie mit möglichst wenig Aufwand durch den Arbeitstag kommen, generell viel jammern und notorisch unzufrieden sind. 

Sind wir vielleicht nur neidisch? 

Um sich dem Thema zu nähern, hilft es, sich zunächst einmal damit auseinanderzusetzen, warum die Tatsache einen überhaupt dermaßen ärgert. Liegt es nur daran, dass ich die negativen Konsequenzen ausbaden muss, weil ich die bin, die die Mehrarbeit auffängt? Oder störe ich mich eher an dem vermeintlichen unsozialen Verhalten, weil ich mich hängen gelassen fühle?  Hat es möglicherweise auch mit meiner eigenen Erwartungshaltung zu tun, dass mir Werte wie Disziplin, Fleiß und Loyalität wichtig sind und ich dies auch bei anderen voraussetze? Unterstelle ich dem anderen vielleicht Absicht oder gar Berechnung? Oder bin ich insgeheim neidisch, weil der andere sich etwas traut, was ich nicht wagen würde? 

It’s all about the mindset 

Das alles sind Fragen, die dabei helfen können, zu entscheiden, ob ich eher bei mir und dem eigenen Mindset oder tatsächlich bei der anderen Person ansetzen sollte. Denn viele zwischenmenschliche Probleme haben ihren Ursprung in der eigenen Denkweise und lassen sich bereits lösen, wenn ich meine Haltung dazu verändere.  

10 Tipps, die du anwenden kannst, wenn deine Kollegin ständig krank ist 

Leider gibt es auch an dieser Stelle mal wieder keine Patentlösung, wie du darauf einwirken kannst, dass deine Kollegin ab jetzt nur noch am Wochenende krank ist und wir alle glücklich und zufrieden sind. Denn: Krank ist krank. Reicht jemand eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ein oder fehlt nur für 1-3 Tage, dann kannst du zunächst einmal nichts daran ändern und musst die Kröte schlucken. Punkt. Wo du aber tatsächlich einen Einflussbereich hast, das ist die Art und Weise, wie du im Kopf und auf der Arbeit damit umgehst. Deswegen folgen nun diverse Ideen, wie du deine Energie sinnvoll investierst: 

  1. Pro-Aktivität statt Jammer-Mentalität: Setze nur da an, wo du Einfluss nehmen und eine Veränderung bewirken kannst. Halte dich also nicht damit auf, zu jammern, wie unfair oder dreist der andere ist, sondern beschäftige dich damit, wie sich die Situation am sinnvollsten bewältigen lässt (für die Poser unter uns: Lösungs- statt Lageorientierung). Das kann bspw. eine andere Arbeitsaufteilung, eine Home-Office-Lösung oder eine veränderte Prioritätensetzung sein. 
  2. Realitätscheck: Mach dir klar, dass man tatsächlich, montags, freitags oder auch nach drei Wochen Sommerurlaub krank werden kann. Es ist ein wissenschaftlich belegtes Phänomen (“Leisure Sickness”, deutsch: Freizeitkrankheit), dass der Körper so lange durchhält, wie es die Umstände erfordern und ein Infekt erst dann zum Ausbruch kommt, wenn die Psyche funkt, dass nun tatsächlich Zeit wäre, herunterzufahren. Wer wurde nicht schon mal selbst pünktlich freitags nachmittags krank oder dann, als endlich der lang ersehnte Urlaub vor der Tür stand?! 
  3. Ausrede ist nicht gleich Lüge: Natürlich kann es sein, dass die Begründung “Mir ist heute irgendwie so komisch” nur vorgeschoben ist. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Kollegin auch nichts fehlst. Es gibt immer Gründe, warum man vielleicht nicht an die große Glocke hängen möchte, was man wirklich hat. Möglicherweise ist das Betriebsklima nicht familiär genug, man schämt sich oder hat Angst davor, künftig keine verantwortungsvollen Aufgaben mehr übertragen zu bekommen.  
  4. Fair bleiben: Es wäre ziemlich ungerecht, die Person aufgrund ihres Fehlens im Ganzen abzuwerten. Oft sind die Betroffenen, wenn sie da sind, fleißig, nett und motiviert. Auch schießt man sich eher ein Eigentor, wenn man ständig beim Lästern erwischt wird, beim Chef petzt oder Gerüchte in die Welt setzt. 
  5. Auskotzen: Sich über die Kollegin aufzuregen, ist selbstverständlich erlaubt und für den eigenen Seelenfrieden hilfreich. Solange du es da machst, wo es keine negativen Folgen mit sich bringt (z.B. unfaire Gerüchte, schlechte Stimmung im Team oder sogar Mobbing-Ansätze). Als Sorgen-Mülleimer bieten sich an dieser Stelle der eigene Partner oder völlig unbeteiligte Freundinnen an, die dafür bekannt sind, jederzeit und bedingungslos über unbekannte Dritte mit einem zu nörgeln. 
  6. Chance nutzen: Fällt jemand aus, bietet sich für dich die Chance, deinen eigenen Wert zu zeigen und positiv auf dich aufmerksam zu machen, vor allem hinsichtlich Belastbarkeit, Flexibilität und Krisenmanagement. Wenn es irgendwann um eine Beförderung geht, kann das ein gutes Argument sein, dir den Vorzug zu geben. 
  7. Unterstützung anbieten: Auch wenn der natürliche Impuls oft ist, die Kollegin mit Missachtung zu strafen, kann es zum Türöffner werden, das Gespräch zu suchen und nachzuhören, ob die Krankschreibung mit der Arbeit zu tun hat. Bestenfalls teilt sich der andere mit, das Problem lässt sich beheben, man kann es zumindest besser nachvollziehen und in der Folge vielleicht akzeptieren. Wirklich verstehen, anstatt meinen, es zu wissen. 
  8. Lösung von oben einfordern: Bevor du selbst am Limit läufst wegen Überstunden, Mehrarbeit und Stress, lieber eine Überlastungsanzeige schreiben (oder ähnliche Maßnahmen ergreifen) und den Chef mit in die Verantwortung zu nehmen. Es ist nicht immer das Nonplusultra, den Helden spielen und damit glänzen zu wollen, alles alleine zu stemmen. Das schadet dir nur selbst und strukturell wird sich auch nichts verändern, wenn auf oberer Etage gar nicht ankommt, wie schwierig die Lage für die Verbliebenen ist. 
  9. Auflaufen lassen: Bist du zu 100% davon überzeugt, dass deine Kollegin sich einen bezahlten lauen Lenz macht, kannst du sie ggf. auflaufen lassen, indem du ihre Arbeit mal nicht automatisch auffängst. Die Botschaft kommt an und es ist menschlich gesehen immer noch fairer, als sie anzuschwärzen. 
  10. Teamgeist bewahren: Werden solche Situationen von allen konstruktiv angegangen, anstatt ins Negative zu verfallen, bieten sie die Möglichkeit, den Zusammenhalt zu stärken und den Teamgeist zu fördern. Das wiederum wirkt sich vielleicht ja auch positiv auf denjenigen aus, der krankheitsbedingt häufiger ausfällt. 

Du siehst, das Übel an der Wurzel zu packen ist schwer, vor allem, wenn eigentlich keiner weiß, was die Wurzel ist. Ist der andere wirklich eine faule Socke und schleicht sich auf Kosten anderer bequem durchs Leben oder hat es mehr mit den Ansprüchen zu tun, die du an dich und andere stellst? 

Was du dir von der kranken Kollegin abgucken kannst 

Gerne machen wir uns mit unserem Fazit unbeliebt, wenn wir sagen, dass 99% von uns sich von Menschen, die sich regelmäßig krankmelden, eigentlich eine dicke Scheibe abschneiden könnten. Denn seien wir mal ehrlich, die meisten überlegen sich fünfmal, ob das Arbeitspensum es heute hergibt, zuhause zu bleiben, sie schmeißen zwei Tablettchen ein und schleppen sich dann krank zur Arbeit. Sowohl kurzfristig als auch langfristig nicht der genialste Schachzug. Aber Hauptsache kein schlechtes Gewissen haben, einen schlechten Eindruck vermitteln oder als labil und nicht belastbar gelten. Dabei sind wir auf der anderen Seite wieder die ersten, die nörgeln, wenn andere ihre Bazillen im Büro verbreiten und mit ihrer Seuche nicht zuhause bleiben. Ist man krank, gehört man ins Bett und das nicht erst, wenn ich selbst zum Netflix gucken noch zu schwach bin. Das hat auch Mutti schon gewusst und die hat schließlich immer Recht. Vielleicht bist du ja dann beim nächsten Mal die, die (guten Gewissens) fehlt. 


Liebe Leserin  Reflektiere einmal deine eigene Haltung zum Thema Krankschreibung. Kein Problem oder nur im äußersten Notfall? Lass‘ uns gerne daran teilhaben. 

Weiterführende Links zum Beitrag:

Ein ausführlicher Artikel zum Thema Leisure Sickness findet sich bei Spiegel Online

Ein Buchtipp zum Thema Proaktivität und Lösung zwischenmenschlicher Probleme ist der absolute Klassiker „Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg (Dein Erfolg)“ von Stephen R. Covey

 

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