6 Tricks, wie du Nörgelei und unzufriedene Menschen besser aushältst

Keine Frage: Wir sind alle mal unzufrieden. In der Regel ist dieser Zustand von kurzer Dauer, manchmal hält er vielleicht auch ein paar Tage an. Spätestens dann geht uns unsere eigene Unzufriedenheit so auf den Keks, dass wir uns selbst nicht mehr ertragen und den Aus-Schalter für unser „Elend“ finden.

Dann gibt es da aber noch die notorischen Nörglerinnen, bei denen es sich umgekehrt verhält und gute Laune, Freundlichkeit und Dankbarkeit die absolute Ausnahme darstellen. Ein Zusammensein mit ihnen fühlt sich an, als würde man barfuß über ein kilometerlanges Nagelbrett laufen Nichts ist richtig, alle sind doof, die Welt ist ein ungerechter Ort, immer, überall und sowieso. Ist es nicht das Wetter, dann sind es die Flüchtlinge oder die Jugend von heute, die ja so gar keinen Anstand mehr hat.

Die Königin dieser Disziplin entstammt zufälligerweise mal wieder unserem gemeinsamen Umfeld und kriegt diesen Titel bedingungslos von jedem zugesprochen, der auch nur fünf Minuten Zeit mit ihr verbracht hat. Ihr Gesichtsausdruck schreit quasi schon „Guck, dass du Land gewinnst“. Bist du trotzdem so mutig, diese eindeutige Warnschwelle zu übertreten oder hast einfach keine andere Wahl, weil du etwas von ihr brauchst, wird sie dich mit geballter Negativität abstrafen und dafür sorgen, dass du den Kontakt zu ihr aus Eigenschutz bis ultimo meidest.

Unvergessen bleibt der Tag, als eine von uns beiden Geburtstag hatte und zu diesem Anlass eine Wagenladung Cupcakes gebacken hat, die optisch aus der Konditorei hätten stammen können und so tiefbraun vor Schokolade waren, dass dir bei ihrem Anblick förmlich die Sabber aus dem Mund lief. Nicht so bei unserer Meckerziege, die selbst gegen Zucker-Bomben, welche schon beim Anblick Tonnen von Glückshormonen freisetzen, immun zu sein scheint. Um kein Öl ins Feuer zu gießen und ihre Unzufriedenheit noch weiter zu steigern, wurde sie bei der Törtchen-Verteilung natürlich mitbedacht und naiverweise angenommen, dies könnte bei ihr kurzzeitig Gefühle wie Freude oder Dankbarkeit auslösen. Aber weit gefehlt, man hätte es eigentlich besser wissen müssen. Anstelle eines „Ach, du hast Geburtstag, herzlichen Glückwunsch“ oder „Wie nett, dass du an mich gedacht hast“ wurde der Törtchen-Teller lediglich mit den Worten „Du weißt schon, dass ich eine Gluten-Unverträglichkeit habe?!“ quittiert. Konversation beendet. Danke fürs Gespräch.

Selbst bei einer Sonder-Gehaltszahlung („Ach, für sowas ist also Geld da?!“) oder zwei Wochen Sonnenschein am Stück („Super, jetzt darf ich jeden Tag gießen“) schafft sie es noch, das Haar in der Suppe zu finden und ihrer Linie treu zu bleiben. Nicht, dass man nachher noch beim Lächeln erwischt wird. Und ganz kurios wird es dann, wenn unsere Negative Nancy sich ausladend über andere Meckerziegen beschwert und man eigentlich nur rufen möchte „Wer im Glashaus sitzt …“.

Mit diesem Artikel wollen wir nicht nur die Frage beantworten, ob chronische Unzufriedenheit Schicksal oder bewusste Entscheidung ist, sondern dir wie gewohnt handfeste Tipps an die Hand geben, wie du clever mit notorischen Nörglerinnen umgehst, ohne dich von ihrer Stimmung mitreißen zu lassen.

Undankbar, ansprüchlich, leicht reizbar

Das sind nur einige Attribute, die einem sofort in den Kopf schießen, wenn es um die Charakterisierung einer typischen Meckerziege geht.

Viele chronisch unzufriedene Menschen schleppen emotionalen Ballast aus der Vergangenheit mit sich herum, der es ihnen erschwert, sich am Hier und Jetzt zu erfreuen und die schönen Seiten des Lebens wahrzunehmen. Stattdessen wird gejammert, was das Zeug hält, an allem und jedem herumgenörgelt, gelästert und schwarzgemalt.

Nicht selten liegt ein ausgeprägtes Opfer-Denken vor, bei dem es hauptsächlich um das eigene Leid geht und sich unweigerlich der Eindruck aufdrängt, als dürfte es aus irgendeinem Grund gar nicht besser werden. Anstatt proaktiv nach Lösungen zu suchen, wird jegliche Eigenverantwortung von sich gewiesen, der Kopf hängen gelassen und sich dem Selbstmitleid hingegeben.

Für die Mitmenschen ist dies nicht nur unglaublich anstrengend, es kann sogar zur Herausforderung werden, sich nicht selbst von diesem Sog mitziehen zu lassen. Unsere eigene Stimmung ist sehr empfänglich für die Schwingungen, die in der Luft liegen und nicht selten kann es deswegen passieren, dass einem buchstäblich die Laune verhagelt wird.

Auch kann es schlichtweg vorkommen, dass einem jegliche Grundlage für eine Unterhaltung fehlt, weil die Sicht des anderen so gar nicht nachvollziehbar ist und wenig mit der Realität zu tun haben scheint. Zum Energiefresser können Meckerziegen letztlich auch dadurch werden, dass sie einen unterschwellig in die Rolle drängen, Verantwortung für ihre Stimmung bzw. ihre Lage zu übernehmen, weil sie beispielsweise den Impuls in einem auslösen, ihre Laune verbessern zu müssen oder ihnen regelmäßig vor Augen führen zu wollen, was es alles Schönes in ihrem Leben gibt.

Schicksal oder bewusste Entscheidung? Die Mentalität einer Meckerziege

Nicht selten haben unzufriedene Menschen die Erfahrung gemacht, in entscheidenden Phasen ihres Lebens chronisch zu kurz gekommen zu sein (z.B. gegenüber einem Geschwisterkind, das sehr viele Ressourcen gebunden hat oder bei Elternhäusern, die sehr geringe finanzielle Mittel hatten) oder wenig selbstbestimmten Einfluss auf die Gestaltung ihres Lebens zu haben (z.B. bei Eltern, die den beruflichen Werdegang vorgegeben oder einem die Freiheit entzogen haben, eigene Freunde auszusuchen oder Freizeitaktivitäten zu wählen). Hat es jahrelang an Wahlfreiheit und Mitbestimmungsrecht gemangelt, kann sich dies so festsetzen, dass man seine Möglichkeiten selbst dann nicht nutzt, wenn es einem nun eigentlich möglich wäre und die Rahmenbedingungen gänzlich andere sind, z.B. im Erwachsenenalter oder nach dem Auszug aus dem Elternhaus. Psychologisch spricht man an dieser Stelle von erlernter Hilflosigkeit.

Auch kann Unzufriedenheit daraus hervorgehen, dass diese einem durch wichtige Bezugspersonen vorgelebt wurde und man sie mangels besserer Vorbilder unfreiwillig übernommen hat. Darüber hinaus stellt sie eine sehr wirkungsvolle Schutzhaltung gegen negative Einflüsse und Enttäuschungen dar, weil sie Distanz provoziert, die dazu führt, dass man geschont und nicht so hart ins Gericht genommen wird.

Nichts ändern zu müssen und auf der Stelle zu treten schützt auch davor, Erwartungen nicht zu erfüllen oder erneute Misserfolge zu erleben. Letztlich hat jede von uns vermutlich schon mal die Erfahrung gemacht, dass gemeinsames Schimpfen oder Lästern verbindet und somit sehr verführerisch sein kann. Gerade bei solchen Leuten, die sich vielleicht schwer mit der Beziehungsgestaltung tun und nicht gut darin sind, über sich oder ihre Emotionen zu sprechen.

6 Tipps für den Umgang mit unzufriedenen Menschen

Im ersten Moment drängt sich als Mittel der Wahl vermutlich der Gedanke auf „jeglichen Kontakt meiden“. Weil das aber nicht immer geht, es das Problem sogar noch verschlimmern kann und für dich lediglich eine kurzfristige Lösung darstellt, die dir bei jeder weiteren Begegnung trotzdem wieder Zahnschmerzen machen wird, stellen wir dir im Folgenden 6 Strategien vor, die auf lange Sicht definitiv besser sind.

  • Verantwortung verweigern. Die Unzufriedenheit deines Gegenübers soll nicht dein Problem sein. Weder sollst du dich mit ihr herumschlagen müssen noch dich ernsthaft mit dem Gedanken auseinandersetzen, ob du vielleicht die Ursache davon bist. Mit 99% Wahrscheinlichkeit liegt das Problem in der Person selbst, genau wie die Verantwortung für dessen Lösung. Von daher solltest du tunlichst vermeiden, es dir auf die Fahne zu schreiben, den anderen aus seinem Jammertal zu befreien und dir diese Aufgabe auch nicht ungewollt in die Schuhe schieben lassen. So unfair das ist, die andere hat sich ihr Problem zwar nicht ausgesucht, trotzdem ist sie die einzige, die es beheben kann. Was du hingegen fördern darfst, ist jede Form von Proaktivität und Fortschritt.
  • Vorbild sein. Verbringt man gewollt oder ungewollt viel Zeit mit einer Nörgeltante, führt dies bei einem selbst manchmal zur automatischen Tendenz, die Dinge aus einem gegenteiligen Blickwinkel zu betrachten. Warum nicht ein bewusstes Spiel draus machen und dem Gegenüber damit ein gutes Vorbild sein? Möglicherweise springt die andere ja auf den Zug auf und beginnt an ihrer Haltung zu arbeiten, wenn ich selbst bewusst und offensichtlich an meiner eigenen Achtsamkeit und Wertschätzung arbeite. Genauso kann es hilfreich sein, beiläufig aufzuzeigen, wie man selbst mit Unzufriedenheit umgeht.
  • Unverfängliche Themen wählen. Selbst die hartnäckigste Meckerziege hat mindestens ein Thema, über das man sich mit ihr unterhalten kann, ohne dass es zwangsläufig nach kürzester Zeit in Geschimpfe endet. Bei der einen ist das vielleicht ihr Haustier, bei der anderen ihr Hobby. Oft braucht es nicht lange, um jemanden so gut zu kennen, dass sich zumindest dieses eine unverfängliche Themenfeld abgezeichnet hat. Im Zweifelsfall einfach jemanden fragen, der die andere schon länger kennt. Wenn man also mal so gar keinen Nerv für Nörgelei hat, einfach gleich das Thema Haustier anschneiden  und immer schön neue Fragen nachschießen.
  • Alles Sinnvolle füttern. Wie bei jedem Menschen gilt hier genauso: Auch eine Jammertante hat mal einen hellen Moment, in dem sie von ihrem gewohnten Verhalten abweicht und sich gar sinnvoll oder „normal“ verhält. Hier heißt es für dich, wachsam sein und die Chance nutzen, um alles Gute zu verstärken. Proaktivität, Optimismus, lösungsorientiertes Verhalten, eine angemessene Betrachtung der Realität, Dankbarkeit, Selbstreflektion. Wie in der Kindererziehung – das, wovon man mehr sehen möchte, fördern und das, was nervt, aushalten bzw. ignorieren.
  • Paradox reagieren. Paradox reagieren heißt in dem Fall, genau das Gegenteil dessen zu tun, was eigentlich dein Impuls wäre. Anstatt deinem Gegenüber beispielsweise ins Gesicht zu schreien „Grumpy Cat ist nix gegen dich, du verbitterte Butterbirne!“, könntest du einsteigen und mitjammern was das Zeug hält. Zustimmen, noch einen draufsetzen, die andere buchstäblich gegen die Wand nörgeln. Wetten, dann setzt bei der Meckerziege plötzlich die Tendenz ein, positiv dagegenzuhalten? Wie so oft ist auch Humor ein herrliches Mittel, um die angespannte Atmosphäre schnell und einfach aufzulösen. Ein freundlich augenzwinkerndes „Mensch, in deiner Gegenwart kommt heute aber mal wieder so richtig Stimmung auf“ oder „Heute bist du aber so richtig gut drauf!“ und schon ist der Drops in dem ein oder anderen Fall gelutscht.
  • Diskussionen vermeiden. Machst du es dir zur Aufgabe, die andere krampfhaft davon überzeugen zu wollen, dass doch alles gar nicht so schlimm ist und versuchst, ihre Ansichten nach und nach zu entkräften, setzt du damit höchstwahrscheinlich den Prozess in Gang, dass sie noch eine Schippe drauflegen muss. Im schlimmsten Fall ärgert sie sich dann nicht nur über Gott und die Welt, sondern auch über dich und die Unzufriedenheit nimmt stetig zu. Von daher tunlichst vermeiden, Diskussionen anzuzetteln und sich lieber unverfänglicheren Themen zuwenden (siehe oben). Erweist sich das als schwierig, kann es in einzelnen Momenten auch mal notwendig werden, nicht nur Diskussionen, sondern die Person selbst zu meiden. Zeitlich begrenzt natürlich, wenn das eigene Stresslevel einfach zu hoch ist.

Warum Unzufriedenheit total nützlich ist

Das mag angesichts all der lästigen Seiten schwer zu glauben sein, aber Unzufriedenheit hat in der menschlichen Psyche definitiv eine Daseinsberechtigung. So kann man diese durchaus als sinnvolles Warnsystem bzw. Barometer betrachten, das einem von Zeit zu Zeit vermeldet, dass etwas scheinbar nicht so läuft, wie man es möchte.

Unzufriedenheit an sich ist also nicht das Problem, sondern wie so häufig der eigene Umgang damit. Ergreife ich die Chance und setze mich mit der Frage auseinander, was sie mir eigentlich sagen möchte, dann wird es weder für mich noch für andere zum Problem. Eine chronische Meckerziege hat es im Gegensatz zu dir vielleicht einfach noch nicht geschafft, den Punkt zu erkennen, an dem sie selbst sinnvoll Einfluss nehmen kann.

Zudem kann es manchmal auch einfach Nähe schaffen, gemeinsam zu schimpfen und die andere hat für sich möglicherweise noch keine Strategien gefunden, wie ihr das auf gute Art und Weise gelingt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden 😊


Liebe Leserin – Was ist schwerer für dich auszuhalten, Unzufriedenheit bei dir selbst oder bei anderen? Lass uns gerne an deinen Erfahrungen teilhaben.

Weiterführende Links zum Beitrag:

Wenn die Beziehung es hergibt, könnte es eine Option sein, ein Buch zu verschenken, das zur Selbstreflektion anregt. Wir empfehlen dafür „Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme“ von Stefanie Stahl. Wegen seiner sehr guten Lesbarkeit und den vielen Praxistipps seit Jahren eines der Lieblingsbücher unserer Klient/innen. Prinzipiell aber auch eine sehr gute Lektüre für diejenigen, die einfach nur sich selbst oder die Freundin besser verstehen möchten.

Schöne Geschichten und Metaphern, u.a. zum Thema erlernte Hilflosigkeit, enthält das Büchlein „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay. Eignet sich sehr gut als kleines Geschenk, auch an sich selbst.

 

Sei die Erste, die diesen Beitrag teilt!

Hinterlasse einen Kommentar