13 nervige Kollegen-Typen und wie du clever mit ihnen umgehst – Teil 2

Im Mikrokosmos Arbeitswelt sind wir tagtäglich mit den verschiedensten Kollegen-Typen konfrontiert, die uns zwischen Kopierer und Kaffeeautomat regelmäßig in den Wahnsinn treiben. Wie in jeder normalen Partnerschaft oder gängigen Durchschnitts-Familie kann der vom Schreibtischnachbarn verursachte Papierstau im Drucker oder die regelmäßig volle Spüle in der Teeküche schnell dazu führen, dass wir uns montags schon den Freitag herbeiwünschen.  

In Teil 1 unserer Kollegen-Charakteristik haben wir euch bereits sieben Knaller-Kandidaten vorgestellt, die an keinem guten Arbeitsplatz fehlen dürfen. Freut euch nun auf weitere Persönlichkeiten, mit denen wir an fünf von sieben Tagen die Woche zwangsläufig klarkommen müssen. 

  

Der Selbstdarsteller 

Der Selbstdarsteller, häufig auch als Gockel oder Schaumschläger benannt, hört sich am allerliebsten selbst reden. Der Inhalt ist dabei zweitrangig, schließlich sollte ja hinlänglich bekannt sein, dass er der Größte ist.  

In Meetings ergreift er immer als Erstes das Wort und verfällt sofort in nie enden wollende Monologe der Selbstbeweihräucherung, oftmals gespickt mit abstrusen Ideen. Hauptsache man bleibt in Erinnerung und führt die eigene Genialität nochmal eindrücklich vor Augen. Ob es Segen oder Fluch ist, leider hat der Selbstdarsteller häufig wirklich was auf dem Kasten und findet sich deswegen oft auch in höheren Positionen wider. Prahlt er nicht damit, wie er das Betriebsergebnis durch seine Leistung kürzlich verdoppelt hat, präsentiert er in der Kantine seine neue Rolex oder ein Bild vom Großbildfernseher, den er sich jüngst geleistet hat. Mildere Exemplare bestechen durch sehr extravagante Kleidung oder höchst eigenwillige, aber vor Selbstbewusstsein strotzende Dance-Moves bei der Firmen-Weihnachtsfeier.  

Dich nerven Selbstdarsteller vor allem damit, dass es selten um das Gegenüber oder die eigentliche Arbeit geht, sondern am meisten um die eigene Person. 

Gebrauchsanweisung: An dieser Stelle ist Sarkasmus ein herrliches Mittel, mit dem du ausufernde Akte der Selbstbeweihräucherung effektiv stoppen kannst, ohne dass der andere hochgradig gekränkt ist oder völlig bloßgestellt wird. Wenn es sich noch in Sphären bewegt, die du gut ertragen und belächeln kannst, dann mache dir innerlich oder beim nächsten Treffen mit den Läster-Schwestern einen Spaß draus. 

  

Der Trittbrettfahrer 

Markiert den Gegenpol zum ehrgeizigen Strebertyp und ist weder mit Engagement noch Motivation gesegnet 

Kompensiert mit seinem Verhalten gerne auch den Umstand, dass die Intelligenz in der Familie eher ungleichmäßig verteilt wurde. Der Trittbrettfahrer heftet sich bei Gruppenprojekten bevorzugt an stärkere Teammitglieder. Seine Energie verwendet er bei Aufgaben darauf, durch ausgeklügelte Schachzüge seine Kollegen für sich arbeiten zu lassen. Schafft es sehr häufig, dass er am wenigsten Arbeit hat, jeden Tag überpünktlich Feierabend machen kann, bei der Urlaubsplanung alle Brückentage absahnt und die schwierigen Aufgaben von anderen erledigt werden. Gewieftere Exemplare sind dann aber wiederum vorne mit dabei, wenn es darum geht, die Lorbeeren einzuheimsen oder in den entscheidenden Momenten vor dem Chef zu glänzen. 

Gebrauchsanweisung: Längerfristige Zusammenarbeit nach Möglichkeit vermeiden und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Sofern am gleichen Projekt gearbeitet wird und eine Trennung nicht gut möglich ist, klare Aufgaben verteilen und nur gelegentlich für eine Überprüfung des Status Quo zusammenkommen. Bei der Aufgabenverteilung immer im Auge behalten, ob die Anforderung mit dem zusammenpasst, was der IQ hergibt. 

  

Die Plaudertasche

Würde sie fürs Reden bezahlt werden, hätte diese Kollegin vermutlich nach wenigen Tagen finanziell ausgesorgt.  

Egal ob im Früh- oder Spätdienst, sie kann dir zu jeder beliebigen Tageszeit eine Frikadelle ans Ohr quatschen. Selbst zu solch unchristlichen Uhrzeiten läuft sie schon zur Hochform auf, wo du noch den Weg zur nächsten Kaffeemaschine suchst. Auch wenn sie arbeitsbezogen oft sehr viel Gehaltvolles beizutragen hat, geht dies gerne unter, weil alle schon nach zwei Sätzen auf Durchzug schalten und gedanklich die Einkaufsliste für den Feierabend verfassen. Du scheust den Kontakt zu ihr, weil offene Fragen oder Anliegen generell bedeuten könnten, dass du deinen ganzen Zeitplan über den Haufen werfen musst. Selbst offensichtliche Versuche, das Gespräch zu beenden, werden geflissentlich ignoriert. Darüber hinaus macht die Plaudertasche dich unterschwellig oft ärgerlich, weil sie sich selbst so wenig zu merken scheint.  

Demgegenüber stehen Kolleginnen, die zwar zur gleichen Kategorie gehören, die man von der Grundpersönlichkeit aber total gerne mag und für ihre Arbeit schätzt. 

Gebrauchsanweisung: Hier dürft ihr euch gerne aus dem reichhaltigen Repertoire unseres Beitrags zu Quasselstrippen und Plaudertaschen bedienen. Von Sarkasmus über mimische Verunsicherung oder beharrliches Schweigen ist alles erlaubt, was die Kommunikationskiste so hergibt. Die Königsklasse wäre, das Problem wohlwollend anzusprechen, dafür muss die Beziehung aber schon echt gut sein. 

  

Die Schwermütige 

Betritt die Schwermütige den Raum, legt sich urplötzlich über alle übrigen Anwesenden eine bleierne Schwere.  

Geht man von ihrem Gesichtsausdruck aus, so könnte man meinen, sie trägt das Leid der Welt auf ihren Schultern. Selbst die vermeintlich harmlose Frage, wie der dreiwöchige Urlaub war, kann zu einem Stich ins Wespennest werden, wo es doch der Schwiegermutter nicht gut ging und die Zeit überhaupt viel zu kurz war, um angemessen von der Arbeit abzuschalten. Nichts geht einfach mal so. Auch Entscheidungen lassen sich nicht unkompliziert auf dem kurzen Dienstweg treffen, weil das Leben einem viel zu viele Steine in den Weg legt, die es zu wegzuräumen gilt. Die Schwermütige ist mit ihrer Stelle und den Gegebenheiten am Arbeitsplatz chronisch unzufrieden, trägt sich ständig mit Kündigungsgedanken, neigt viel zum Grübeln und scheint dem Leben auch außerhalb der Arbeit nur wenig Spaß abgewinnen zu können.  

Gebrauchsanweisung: Kontakte auf oberflächlichen Smalltalk begrenzen und tunlichst die berühmte Frage nach der Befindlichkeit vermeiden – hier wächst kein Gras mehr und eine unbeschwert positive Antwort wird niemals zu holen sein. In Entscheidungsprozessen besser erst dann einbeziehen, wenn die Diskussionsphase schon abgeschlossen ist und es nur noch um die Ja-oder-Nein-Frage geht. Angenehmer für alle Beteiligten. 

  

Der Choleriker 

Ist die personifizierte tickende Zeitbombe, die jederzeit in die Luft gehen könnte. Oft braucht es gar nicht viel, um die Zündschnur zu entfachen, ein falsches Wort zur falschen Zeit reicht aus.  

Ist dafür bekannt, völlig aus dem Nichts auszurasten und unter Umständen auch mal auf unbeteiligte Kollegen loszugehen. Seine Feindbilder sind vorzugsweise Typen wie der Selbstdarsteller und die Labile, die es in den von Zeit zu Zeit auftretenden „Rundumschlägen“ besonders abbekommen können. Neigt an sehr schlechten Tagen zu höchst auffälligen Handlungen, so wird dem Choleriker beispielsweise nachgesagt, dass er auch schon mal nach dem Erhalt einer E-Mail, die er als absoluten Affront gegen sich einstuft, eine solche ausdruckt, wild mit Textmarker bearbeitet, damit zum Schreibtisch des Absenders stampft und die “wichtigsten” Passagen lautstark zitiert. Hinter seiner Fassade steckt oftmals ein sehr kluger Kopf, die Achtung im Kollegenkreis hält sich wegen seiner Art aber eher in Grenzen. Manchen Cholerikern wird eine ähnlich niedrige soziale Kompetenz oder autistisch anmutende Züge wie Sheldon Cooper nachgesagt. 

Gebrauchsanweisung: Kühlen Kopf bewahren und es niemals persönlich nehmen, das Problem ist ziemlich ausschließlich in der Person selbst lokalisiert und hat so gut wie nichts mit dem Gegenüber zu tun. Gehst du ebenfalls an die Decke oder lässt dich auf ein Battle ein, gießt du vermutlich noch Öl ins Feuer. Eine Zusammenarbeit wird dann immer schwieriger und eine sinnvolle Arbeit an der Sache rückt in weite Ferne. In diesem Fall gibt die Klügere tatsächlich nach und übt sich in Gelassenheit, was dir die Achtung sämtlicher Kollegen einbringen wird. 

 

Die Unstrukturierte 

Wird gerne mal mit der Hilfsbedürftigen verwechselt, ist von dieser aber eindeutig abzugrenzen, weil sie ihre Aufgaben eigentlich beherrscht und sich durch ihre Art nur ziemlich ungünstig verkauft. Kriegt weder sich noch ihre Arbeit oder Zeit ordentlich strukturiert, was dazu führen kann, dass sie mit ungewaschenen oder noch triefnassen Haaren am Arbeitsplatz erscheint, ihre Sachen überall herumliegen oder ihren Schlüssel für alle zugänglich stecken lässt, erst um 22:00 Uhr Feierabend macht oder völlig wirre E-Mails verfasst.  

Die leichte Variante der Unstrukturierten ist irgendwo noch lustig-liebenswert, die ausgeprägte Form hingegen höchst anstrengend für Kolleginnen und Vorgesetzte. Besonders dann, wenn Fristen nicht eingehalten werden, es für das Firmen-Image peinlich wird oder die eigene Arbeit davon beeinträchtigt ist. Auch bei diesem Kollegen-Typus drängt sich häufiger mal die Frage auf, wie die Person angesichts ihrer Strukturlosigkeit Ausbildung oder Studium bewältigen konnte. Pluspunkte sammeln sie wiederum bei einfachen, aber höchst unliebsamen Aufgaben wie das Einräumen der Büro-Spülmaschine oder der wöchentlichen Reinigung des Kaffeeautomaten. 

Gebrauchsanweisung: Struktur vorgeben, wann immer möglich und davon viel. Am besten keine offenen Arbeitsaufträge verteilen und gleich ein Schema mitliefern, das angewendet werden kann – davon profitieren beide Seiten. Ansonsten bleibt die Hoffnung, dass gewisse Eigenarten sich schnell erledigen, wenn die ersten richtig heftigen Konsequenzen ins Haus flattern (zum Beispiel Rechnung für den Austausch der Schließanlage, deftige Erkältung).  

  

Was du nie vergessen solltest 

Egal, wie sehr dich deine Kollegen am Ende des Tages mit ihren Eigenheiten nerven und wie sehr du dir manchmal ein Einzelbüro im Keller des Finanzamtes wünschst, auch du hast deine Ecken und Kanten.  

Möglicherweise würden deine Kolleginnen dich ebenfalls in eine der Kategorien packen oder eine eigene Sparte für dich eröffnen, denn jeder trägt das Potenzial in sich, andere mit seiner Art aufzuregen oder zumindest von Zeit zu Zeit für schwere Seufzer zu sorgen. Es ist immer leicht, über andere zu urteilen, dafür umso schwerer, sich selbst kritisch zu reflektieren. Und irgendwo wäre der Arbeitsplatz, wo wir schließlich den größten Teil unserer Woche verbringen, auch ein verdammt langweiliger Ort, wenn sich dort nur fleißige Arbeitsbienchen tummeln würden, die ihren Charakter zuhause lassen und stupide ihre Aufgaben abarbeiten.  

So anstrengend das menschliche Miteinander manchmal auch sein kann, so schön ist doch die Vielfalt, die so ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit sich bringt. Wie langweilig wäre es, wenn es mit Arbeitskollegen, die vielleicht irgendwann sogar zu Freunden geworden sind, nichts mehr zu lästern gäbe. Und irgendwo stellt das unfreiwillige Teilen von so viel gemeinsamer Lebenszeit doch auch eine ziemlich effektive Möglichkeit dar, die eigenen sozialen Kompetenzen zu trainieren. Man lernt schließlich nie aus! 😊  


Liebe Leserin – Gibt es weitere Charaktere, die aus deiner Sicht in keiner Aufzählung fehlen dürfen? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen. 

Weiterführende Links zum Beitrag:

Ein hilfreicher Ratgeber zum Thema Kommunikation und zwischenmenschliches Miteinander ist der Klassiker „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“ von Dale Carnegie

 

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