5 Tipps, wie du dreisten Menschen wirkungsvoll Grenzen setzt

Dreistigkeit. Genau wie Distanzlosigkeit ein Thema, bei dem einem auf Anhieb mindestens zehn mehr oder weniger denkwürdige Beispiele aus dem eigenen Leben zu einfallen. Deswegen wollen wir unsere persönlichen „Best of“ zum Auftakt mal wieder in eine Hitliste packen. Wetten, du kennst mindestens 1-2 davon aus eigener Erfahrung?! 😊 Los geht’s!

Platz 5: Fahrgemeinschaften sind ja so eine Sache. Dass man über Jahre gemeinsam zur Arbeit fährt, sich tatsächlich alle Mitfahrer prima verstehen, es reibungslos und auch noch fair von statten geht, das ist vermutlich die absolute Seltenheit. Viel häufiger ist bei dem einen ständig der Tank leer, ein anderer kommt der Reihe nach zu spät und beim Dritten im Bunde riecht das Auto regelmäßig nach Käsefuß. Ein eigener ehemaliger Mitfahrer, der aus gutem Grund nunmehr seit Jahren wieder mit seinem eigenen Auto fahren darf, brachte es einst fertig, eine halbe Stunde zu spät zum Treffpunkt zu kommen und einen völlig Unbekannten samt Gitarre mitzubringen, der wie selbstverständlich und ohne zu fragen mitgenommen werden sollte.

Platz 4: Gemeinschaftsbüros sind ebenfalls eine Hausnummer für sich. Eine Geräuschkulisse, die einer Flughafenwartehalle gleichkommt, keine Privatsphäre und dann packt auch noch der Kollege neben einem eine höchst knackige Salatgurke aus, die beim Essen solche Geräusche verursacht, dass man schlimmste Aggressionen in sich verspürt. Schreibtische in Gemeinschaftsbüros lassen sich scheinbar aber auch prima dazu nutzen, einem Baby mit Durchfall eine frische Windel zu machen, das man stolz zum Vorzeigen mit ins Büro gebracht hat. Wie praktisch, dass sich besagte Stinke-Windel im Anschluss unkompliziert im Papierkorb entsorgen lässt.

Platz 3: Jede dürfte mindestens eine von diesen Freundinnen im Bekanntenkreis haben, die sich bevorzugt dann melden, wenn sie etwas von einem brauchen. Dann ist auch relativ egal, dass das letzte Treffen bereits ein Schaltjahr her ist und man eigentlich schon drauf und dran war, diesen Kontakt demnächst mal unauffällig auslaufen zu lassen (wie das gut gelingen kann, liest du in unserem Artikel „Wie werde ich eine Freundin los in 10 Tagen?“). Umso einprägsamer eine Freundin, die noch aus dem Studium übergeblieben war, die sich nach Jahren des losen Kontakts plötzlich meldete, sage und schreibe 20 Minuten Smalltalk am Telefon hielt, um dann plötzlich zu fragen, ob man ihr nicht bei der Steuererklärung helfen könnte.

Platz 2: eBay Kleinanzeigen ist DER Tummelplatz schlechthin für Dreistigkeit in allen Variationen. Wer irgendwann mal mit seinem Freund zusammengezogen ist und seinen halben Hausstand verhökern wollte, der dürfte im Anschluss wohl ein ganzes Buch mit skurrilen Storys dazu schreiben können (vielleicht sollten wir auch dazu mal einen eigenen Artikel machen, Material wäre genug vorhanden). Kaum an Dreistigkeit zu überbieten sind unter anderem solche Nachrichten, wo jemand zu einem neuwertigen Angebot mit Festpreis 50 Euro sowas schreibt wie „Letzte Preis 10 Euro“. Anstandsfloskeln werden in Zeiten des Internets ja sowieso völlig überbewertet.

Platz 1: Der Titel in der Kategorie Dreistigkeit geht an eine ehemalige Praktikantin, die bei einer unserer Mütter – ihres Zeichens Kindergärtnerin – ihr Anerkennungsjahr absolvierte. Diese war scheinbar sehr versessen auf Kuchen und gleichzeitig noch ziemlich impulsgesteuert. So brachte sie es fertig, als ein Kind im Kindergarten seinen Geburtstag feiern sollte, trotz vorherigem Hinweis, dass der Geburtstagskuchen später im Beisein aller feierlich angeschnitten und verteilt wird, heimlich in der Team-Küche darüber herzufallen und mehrere Stücke zu verspeisen. Da fragt man sich doch, ob sie sich nicht eigentlich auf der anderen Seite wiederfinden müsste.

Dreist, distanzlos, … alles eine Suppe?

Eine konkrete Definition zu Dreistigkeit zu finden, ist nicht einfach. Wird es zum einen definiert als „frecher Mut“, was eigentlich ja noch positiv ist, findet man andere Beschreibungen als „unverschämte Handlung ohne Zurückhaltung“.

Dreiste Menschen nehmen sich in der Regel etwas als selbstverständlich heraus, sind dabei risikobereit und zum Teil frei von Hemmungen. Der Unterschied zur Distanzlosigkeit liegt unter anderem darin, dass distanzlose Menschen Faktoren wie soziale Erwünschtheit, soziale Nähe oder soziale Strukturen oft gar nicht auf dem Schirm haben, dreiste Menschen diese hingegen sehr wohl wahrnehmen, oftmals jedoch bewusst ignorieren. Geht es distanzlosen Personen eher um Mitreden oder Mithandeln in den Angelegenheiten eines anderen, liegt der Fokus des Dreisten eher auf der Verwirklichung der eigenen Bedürfnisse/Ziele. Genau wie bei distanzlosem Verhalten wird mit Dreistigkeit eine persönliche Grenze überschritten und die Schwäche des anderen ausgenutzt.

Im Gegensatz zu harmlosen Situationen, bei denen man das Gegenüber fast noch um sein mutiges Verhalten beneidet, können härtere Formen dazu führen, dass man vor anderen lächerlich gemacht wird und sich wegen der eigenen Verletzlichkeit schämt.

DreistigkeitDreist geboren oder dreist geworden?

Genau wie die Definitionen von Dreistigkeit zwischen ansatzweise positiv und richtig negativ variieren, sind auch einzelne Motive dahinter besser zu tolerieren als andere.

Dreistes Verhalten kann beispielsweise auf entsprechende Vorbilder in der Familie zurückgehen, die entweder selbst dreist aufgetreten sind oder die Kinder bewusst dazu animiert haben, sich so im Leben durchzuschlagen. Auch kann eine solche Eigenschaft daraus entstanden sein, dass jemand mangels Integration in einen Sozialverband (z.B. Mitschüler, Freunde, Verein) keine Möglichkeit hatte, durch die Auseinandersetzung mit anderen angemessene soziale Kompetenzen zu entwickeln und es ihm deswegen heute an einem geeigneten Bezugsrahmen fehlt (Was ist überhaupt anständiges Verhalten?).

Bei Menschen, die sehr stark zu dreistem Verhalten neigen, kann sich dies als Überlebensstrategie entwickelt haben, weil sie irgendwelche Mittel und Wege finden mussten, um sich die für sie notwendigen Dinge zu sichern. In der westlichen Ellbogengesellschaft erweist sich Dreistigkeit außerdem als eine sinnvolle Strategie, um den eigenen Erfolg zu sichern und sich von anderen abzuheben. Habe ich damit einmal meine Ziele erreicht, wird mich dies motivieren, diese Strategie auch beim nächsten Mal wiedereinzusetzen.

5 Tipps für den cleveren Umgang mit dreisten Menschen

Dreistem Verhalten kann man sehr einfach mittels verschiedenster Methoden begegnen, die von harmlos-subtil bis offen-konfrontativ reichen. Wir zeigen dir im Folgenden fünf Möglichkeiten auf, wie du Dreistigkeit clever begegnen kannst, ohne dich davon in die Ecke drängen zu lassen.

  • Eigenen Anteil prüfen. Genau wie beim Mobbing gilt auch hier folgendes: Wer sich ausnutzen lässt, trägt eine gewisse Mitschuld am Problem. Natürlich ist es zwar der andere, der sich dreist verhält, dennoch bin ich es, die dies mitträgt bzw. mit sich machen lässt. Deswegen ist der erste sinnvolle Schritt, zunächst zu beobachten, ob Person XY sich auch anderen gegenüber dreist verhält oder ob nur ich betroffen bin. Kann ich Letzteres mit Ja beantworten, sollte ich prüfen, an welcher Stelle ich selbst mich ggf. ungünstig verhalte. Getreu dem Motto „Frechheit und Dreistigkeit siegen nur dort, wo ein Dummer es mit sich machen lässt“.
  • Nein sagen lernen. Nein sagen ist nicht per se egoistisch und rücksichtlos, sondern eine wichtige Strategie zum Selbstschutz. Leider tun sich auch viele noch so selbstbewusste Menschen schwer, eine Bitte aus dem Umfeld abzulehnen oder sich bei Anfragen abzugrenzen. Dabei muss ein klares Nein keinesfalls unhöflich oder unverschämt sein. Ein Nein ist beispielsweise gleich viel verträglicher, wenn es plausibel begründet oder mit Humor verpackt wird. Auch kann es manchmal schon ausreichen, ein Teil-Nein auszusprechen (im Sinne eines Kompromisses) oder ein Gegenangebot zu machen, mit dem man gut leben kann.
  • Eigene Schlagfertigkeit verbessern. Möchtest du die direkte Konfrontation vermeiden, weil du Sorge hast, dabei eine schlechte Figur zu machen, kann es sich als elegante Strategie erweisen, dem anderen mit Schlagfertigkeit auf Augenhöhe zu begegnen. Wie der Name schon sagt, ist SchlagFERTIGKEIT eine Fertigkeit, die man erlernen kann (ein tolles Buch zum Thema verlinken wir dir am Ende dieses Beitrags). Es ließ sich schon so manche Gegnerin in die Knie zwingen bzw. zum Schweigen bringen, wenn man genauso dreist gekontert hat, wie sie einem gegenübergetreten ist. Stellt beispielsweise eine Kollegin immer wieder die von ihr geleerte Packung Kekse in den Schrank zurück und wartet, bis jemand anderes sie entsorgt, könnte man sie beim nächsten Mal fragen, ob sie glaubt, dass der Schrank den Müll von alleine auffrisst.
  • Grenzen aufzeigen. Haben sich die bisherigen Methoden als zu harmlos bzw. die Person als harte Nuss herausgestellt, sind schwere Geschützte gefragt. Dann ist es wohl an der Zeit, sie konkret mit dem Verhalten zu konfrontieren, an dem man sich stößt, Grenzen aufzuzeigen oder die Beziehung zueinander zu klären. Richtig effektiv wird es dann, wenn auch noch andere dabei sind und dem Gegenüber in so einer Situation droht, das Gesicht zu verlieren. Manchmal merkt die andere vielleicht gar nicht, dass sie mit ihrem Verhalten regelmäßig Grenzen überschreitet (wenn ihr beispielsweise der Bezugsrahmen fehlt, siehe oben), sodass man um ein klares Wort gar nicht herum kommt.
  • Konsequent bleiben. Hast du das Problemverhalten offen angesprochen, Grenzen aufgezeigt oder sogar Forderungen aufgestellt, ist es an dir, dich auch konsequent an deine eigenen Regeln zu halten und keine falschen Signale zu senden. Räumst du die Kekspackung beim nächsten Mal doch wieder selbst in den Müll, machst du dich nicht nur unglaubwürdig, sondern sorgst auch für ein Aufweichen der zuvor geklärten Verhältnisse. Eine Steilvorlage für die andere, es erneut bei dir zu versuchen.

DreistigkeitIst dreist das neue sexy?

Auch wenn wir uns bislang hauptsächlich mit den negativen Seiten beschäftigt haben, kann eine gewisse Dreistigkeit eine sehr hilfreiche Eigenschaft sein, wenn sie dosiert und richtig eingesetzt wird.

Eine Prise „sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ hat einem im Vorstellungsgespräch schon so manchen Job eingebracht („Französisch? Klar, kann ich!“ Notiz an mich selbst: Dringend Französisch lernen). Auch waren oft genau die Partys legendär, auf denen man vielleicht gar nicht selbst eingeladen war, zu denen man dreisterweise aber einfach hingegangen ist.

Letztlich wünschen wir uns doch alle manchmal den Mut, Dinge zu tun, ohne uns hinterher darum zu scheren, was die anderen darüber denken. Eigentlich also eine ziemlich wertvolle Fähigkeit, oder?! 😉


Liebe Leserin – Welche Erfahrungen hast du mit dreistem Verhalten gesammelt? Wo hast du selbst dich vielleicht schon einmal bewusst dreist verhalten oder bist mit Dreistigkeit konfrontiert worden? Wir würden uns über einen Kommentar zum Thema freuen.

Weiterführende Links zum Beitrag:

Als Buchtipp zum Thema Schlagfertigkeit empfehlen wir „Die etwas intelligentere Art, sich gegen dumme Sprüche zu wehren: Selbstverteidigung mit Worten – Mit Trainingsprogramm“ von Barbara Berkhan

Ein bewährter Klassiker mit vielen hilfreichen Tipps auch zum Thema Kommunikation und Gesprächsführung ist das Buch „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“ von Dale Carnegie

Ein schöner Beitrag zum Thema „Nein sagen lernen“ mit vielen wertvollen Gedankenanstößen und praktischen Tipps findet sich bei den Kollegen von Zeit zu leben

 

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Kommentare zum Beitrag

  1. Hallo zusammen, das mit dem eigenen Anteil am Mobbing würde ich ganz gerne verstehen. Denn ich hatte eine extrem narzisstische Führungskraft (habe mich mit mehreren Experten unterhalten, die da alle unabhängig das Gleiche sagen). Diese Person hat alle Projekte von Anfang an blockiert. Da muss man erst mal dahinter kommen. Das ist ja vollkommen unlogisch. Ich wüsste deshalb nicht, was da ein eigenener Anteil sein soll oder wie einen die Frage danach weiterbringen soll. Danke für die Erläuterung

    • Hey Marie-Lou, vielen Dank für deine Frage. Generell muss man sagen, dass für Narzissten nochmal gänzlich andere Regeln gelten und die Tipps für den Umgang mit dreisten Menschen für diese nur begrenzt anwendbar sind. Ein Artikel zu genau diesem Thema wartet schon fertig in der Schublade und wird ganz bald veröffentlicht. Wenn du magst, trage dich doch für die automatische E-Mail-Benachrichtigung ein, damit du sofort Bescheid bekommst. Hinsichtlich gewissen Problemverhaltens, z.B. Dreistigkeit oder Distanzlosigkeit, macht es durchaus Sinn, bei sich selbst zu beobachten, ob man mit eigenen ungünstigen Verhaltensweisen dazu beiträgt, dass das Gegenüber genau bei mir so ein übergriffiges Verhalten an den Tag legt. Sage ich beispielsweise immer zu allem „Ja und Amen“, bin ich sehr gutmütig, lasse mich gerne mal ausnutzen oder tue mich schwer, anderen Grenzen zu setzen? Das könnte dann möglicherweise für andere zur Steilvorlage werden. Tatsächlich scheint es bei deinem Problemkandidaten aber eher um Narzissmus anstatt um Dreistigkeit zu gehen.

      • Liebe Kristina, danke für die schnelle Antwort! Ich folge Euch schon. Eine Bekannte hat Euch recht am Anfang schon empfohlen, seitdem bin ich dabei. 🙂 Was „normale Übergriffigkeit“ geb ich Dir vollkommen recht. Bei Mobbing finde ich die Frage nach dem eigenen Anteil echt schwierig, ehrlich gesagt: Denn wenn man aus einer Mobbing-Situation kommt, dann hift, meines Erachtens, vor allem, erst mal das Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Die Frage nach dem eigenen Anteil wirkt aus meiner Sicht da erst mal ziemlich kontraproduktiv. Aber nur meine 2 Cents. 🙂 Liebe Grüße und ein schönes Wochenende Euch.

        • Liebe Marie-Lou, vielen Dank für dein tolles Feedback! Wir freuen uns, dass du ein fester Teil unserer Community bist! 🙂 Prinzipiell geben wir dir wieder recht, wenn jemand tatsächlich gemobbt wird, dann ist die Auseinandersetzung mit eigenen Anteilen erst später angesagt. Allerdings kann dieser Schritt, wenn man sich dazu in der Lage sieht und es mental hinkriegt, wiederum dazu führen, lösungsorientiert an die Sache heranzugehen und möglicherweise schneller eine Veränderung herbeizuführen. Selbstwert aufbauen alleine ändert ja nichts am Grundproblem, sodass man Gefahr läuft, dass dieser bei der nächsten Begegnung wieder angegriffen wird und in den Keller geht. Ein Teufelskreis. Prinzipiell wäre vielleicht auch nochmal wichtig, zu betonen, dass unsere Strategien sich nicht an die Betroffene selbst richten, sondern an diejenige, die mit einer solchen Person zu tun hat. Wenn es um Selbsthilfestrategien für Mobbing-Opfer geht, dann würden unsere Empfehlungen vermutlich nochmal ganz anders aussehen. Dir auch ein schönes Wochenende! 🙂

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