Wie du dich von hysterischen Menschen nicht verrückt machen lässt

Hysterische Drama-Queen. Wenn es an einen neuen Artikel geht, kramen wir in der Regel als allererstes nach einem persönlichen Beispiel für den Typ Mensch, den wir uns als nächstes vorknöpfen wollen. In diesem Fall mussten wir gar nicht lange überlegen, da die Anwärterin auf den Titel ihrem Ruf, etwas speziell zu sein (mit anderen Worten: hochgradig kompliziert und kränkbar), vor einiger Zeit mit einer unvergesslichen Aktion die Krone aufgesetzt hat.

Tatort war die Hochzeitsfeier eines befreundeten Pärchens. Als es um das Werfen des Brautstraußes ging (was jenseits der 30 fast schon zur Qual mutiert, weil der Kreis an Teilnehmerinnen immer beschaulicher und das persönliche Schamgefühl stetig größer wird), versammelten sich die üblichen 5-10 Unverheirateten widerwillig auf der Tanzfläche. Kristina fand sich dabei mittig in der ersten Reihe wieder – theoretisch der Logenplatz, wenn man es denn darauf anlegen sollte, sich diesen blöden Strauß zu sichern. Wie das Schicksal es so wollte, segelte der mit Schmackes geworfene Brautstrauß zielsicher auf sie zu, woraufhin sie reflexartig beide Arme in die Luft warf, um das Objekt der Begierde aufzufangen. Weniger, weil sie es unbedingt darauf abgesehen hatte, sondern eher, um dieser fragwürdigen Tradition schnellstmöglich ein Ende setzen und wieder an die Bar verschwinden zu können. Doch das Drama sollte gerade erst beginnen. So hielt sich die Dame, die rechts neben ihr stand, plötzlich die Hand vor den Mund, die Musik verstummte und der DJ richtete einen Scheinwerfer auf die beiden. Dachten zunächst alle, sie hält sich die Hand vor Lachen vor den Mund, wurden die Zweifel immer größer, als sie anfing, eine schmerzverzerrte Mine aufzusetzen und qualvoll zu stöhnen. Schnell instrumentalisierte sie vier Helferinnen, die sie in ein Hinterzimmer begleiteten, wo sie den Rest des Abends mit Eis zum Kühlen, viel Aufmerksamkeit, Hätschel-Tätschel und beruhigenden Worten versorgt wurde, bis sie sich schließlich mit viel Getöse vorzeitig nach Hause fahren ließ. Natürlich nicht, ohne noch zu erwähnen, dass sie vermutlich einen Kieferbruch erlitten habe und sich nach dem Wochenende beim Hausarzt vorstellen werde (welcher vermutlich schnell den Plan in der Tasche gehabt haben dürfte, wo der Kieferbruch eigentlich nur ein kleiner Biss auf die Lippe war).

Auch wenn es sich dabei eindeutig um ein ausgeprägteres Exemplar der Drama-Queen handelt, fällt vermutlich jedem eine eigene Person aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis ein, die es zumindest schafft, sich durch die Art ihrer Selbstdarstellung (negativ) in den Mittelpunkt zu rücken.

Deswegen möchten wir in unserem heutigen Beitrag darüber aufklären, wie jemand zur Drama-Queen wird, warum diejenige damit für andere so anstrengend ist und wie ein cleverer Umgang mit hysterischen Persönlichkeiten aussieht.

Bühnenreife Kompetenzen. Wenn es einen Aus-Knopf gäbe.

Die klassische Drama-Queen gehört mit ihren Kompetenzen eigentlich auf die Bühne. Wäre ihr Verhalten denn Absicht und sie könnte es nach getaner Arbeit wieder abstellen.

Zu ihren Stärken zählt an vorderster Front die theatralische Selbstinszenierung, mit der sie stets im Fokus steht. Sie braucht scheinbar die emotionale Achterbahnfahrt wie andere ihr Asthmaspray, macht aus einer Mücke einen Elefanten, sieht sich selbst häufig als Opfer, kann zu Eifersucht, Verlustängsten und Konflikten neigen. Sie kreist emotional und gedanklich vor allem um sich selbst und kriegt deswegen wenig von anderen mit. Selbstreflektion ist nicht ihre beste Eigenschaft, stattdessen ist es in ihrer Gesellschaft oftmals kompliziert, anstrengend und alles andere als entspannt.

Die typische Drama-Queen ist sehr bedürftig und verfügt über eine eher negative Lebenseinstellung, weshalb man sich selbst in der Rolle der Helfenden wiederfindet, die beruhigend und entkatastrophisierend versucht, auf die Drama-Queen einzuwirken. Die Beziehung zu ihr ist meist unausgewogen, raubt Kraft und Energie und kann einem schnell die eigene Laune verhageln.

Von der Prinzessin zur Drama-Queen

Mildere Formen sind möglicherweise so entstanden, dass sie bei sich ein gewisses Unterhaltungstalent erkannt haben und dieses irgendwann ausgeartet ist, bis diejenige nicht mehr die Kurve gekriegt hat. Dies kann bis hin zu einem Suchtpotenzial gehen, bei dem sie sich ohne die positive Resonanz von außen leer und nutzlos fühlt.

Eine Ursache kann auch in Unsicherheit liegen, die die Betroffene mit einer Art schillernder Rolle kompensiert, getreu dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ (das heißt je mehr sich jemand darstellt, desto geringer die Chance, als uninteressant oder unsicher wahrgenommen zu werden).

Menschen mit starkem Hang zur Hysterie haben in der Beziehung zu ihren wichtigsten Bezugspersonen vermutlich einen Mangel an Aufmerksamkeit und Interesse erfahren, weshalb sie sich alternative Strategien aneignen mussten, um sich diese menschlichen Grundbedürfnisse zu erfüllen. Das neue Verhalten erfüllt zwar seinen Zweck, geht dem Gegenüber aber schnell auf die Nerven und provoziert unerwünschte Reaktionen.

In vielen Biografien dominierte die Erfahrung, zu kurz zu kommen oder unterzugehen, weil andere(s) wichtiger war(en) oder mehr Kapazität gebunden haben (z.B. schwierige Geschwister, beruflich selbstständige Eltern, psychisch kranker Elternteil). Ungünstig sind auch Eltern, die selbst zur Hysterie neigten und somit nicht nur ein schlechtes Rollenmodell darstellen, sondern auch eine Art Kampf entfachen, weil man als Kind solcher Eltern noch mehr „anbieten“ muss, um das zu toppen oder selbst gesehen zu werden.

Das Gegenstück dazu stellen solche Kinder dar, die nicht zu wenig bekommen haben, sondern mit zu viel verwöhnt wurden und sich im Erwachsenenalter schwer damit tun, dass sie nicht automatisch im Mittelpunkt stehen, sondern sich – wie alle anderen auch – erst einmal beweisen müssen.

5 Tipps für den Umgang mit hysterischen Menschen

Herrlich fanden wir bei unserer Recherche zu diesem Artikel die Idee, bei der Konfrontation mit solchen Menschen einfach so viel Wasser zu trinken, dass man ständig aufs Klo muss und sich so der unangenehmen Situation entziehen kann. Weil wir das zwar für höchst amüsant, aber fraglich praktikabel halten, statten wir dich lieber mit wirklich brauchbaren Tipps aus, wie du clever mit Drama-Queens und hysterisch veranlagten Menschen umgehst.

  • Wie in der Kindererziehung. Ein Stück weit ist es wie mit der Kindererziehung: Das, was weg soll, sollte ignoriert werden, all das, was hingegen gut und wünschenswert ist, sollte verstärkt werden. Heißt konkret, nicht dem selbstinszenierenden Gehabe Aufmerksamkeit schenken, sondern für das verstärken, was die Person auf ganz natürliche Art an Gutem mitbringt. Am besten schon dann, bevor der andere ein Drama machen muss. Völlige Ignoranz macht es vermutlich nur noch schlimmer, Überschüttung mit Aufmerksamkeit stopft das Loch vielleicht am falschen Ende.
  • Weniger ist mehr. Schon oft hat es sich als hilfreich erwiesen, nicht das anzusprechen, was einen stört, sondern das zu loben, was man am anderen besonders mag (liebenswerten Eigenschaften, Talente, gute Taten). Konkret könnte dies so aussehen, dass man hervorhebt, am anderen vor allem die ruhigen und unkomplizierten Seiten zu schätzen und es nicht gleich langweilig oder uninteressant wird, wenn nichts Besonderes angeboten wird. Mit dem Trugschluss aufräumen „viel hilft viel“, stattdessen für „weniger ist mehr“ werben.
  • Am Humor bedienen. Mit Humor ließ sich schon so manches Problem sozial verträglich und trotzdem auf den Punkt thematisieren. Wenn deine Freundin halbwegs mit Reflektionsvermögen ausgestattet ist, wird sie verstehen, was gemeint ist, wenn du dir wünschst, dass es mit ihr mal richtig langweilig vonstattengeht oder du sie für ihre bühnenreifen Vorstellungen auf die Schippe nimmst.
  • Kosten aufzeigen. Braucht es etwas mehr, um ein Problembewusstsein zu schaffen, könntest du den Weg gehen, ihr die zwischenmenschlichen Kosten ihres Verhaltens vor Augen zu führen oder ihr sogar Grenzen aufzuzeigen. Versuche, ihren Blick dafür zu öffnen, dass es mit ihr manchmal ganz schön anstrengend sein kann, sie sich gerade ein kleines Bisschen lächerlich macht oder am Beispiel der Hochzeit diversen anderen Gästen die Stimmung vermiest, die eigentlich zum Feiern gekommen waren. Ist zwar nicht der einfachste Schritt, dafür aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wirkungsvoll, weil der Durchschnittsmensch so gestrickt ist, dass er von anderen gemocht werden und definitiv nicht bewusst negativ auffallen will.
  • Selbstschutz. Wenn die Person dir letztlich nicht viel bedeutet, weil sie beispielsweise nur der Anhang von dem ist, der dir eigentlich am Herzen liegt, dann kann es je nach Anstrengungsgrad tatsächlich sinnvoll sein, den Kontakt zu meiden. Als Grundregel Nummer 1 für ein glückliches Leben gilt, sich mit positiven Menschen zu umgeben und seine Zeit nur auf solche Dinge zu verwenden, die einem gut tun, somit sortiert sich vieles möglicherweise schon von alleine aus. Auf trockener Erde wird kein saftiges Gras wachsen, vielleicht sollte man sein Blümchen deswegen lieber auf vielversprechenderem Boden einpflanzen. Wenn etwas überhaupt kein Potenzial hat und eine Veränderung höchst unrealistisch erscheint, dann ist es das klügste, es einfach sein zu lassen und weder Zeit noch Energie darauf zu verschwenden.

Das Salz in der Suppe oder „Wollen wir nicht alle ein bisschen Bühne?“

Bevor Drama-Queens jetzt völlig in Verruf geraten, möchten wir es uns nicht nehmen lassen, eins klarzustellen: Ein bisschen Drama ist eine Kunst mit absolutem Unterhaltungswert. Wenn Selbstinszenierung nicht auch etwas Gutes hätte, wäre die Welt um viele tolle Schauspielerinnen ärmer und das Leben auf diesem Planeten deutlich langweiliger.

Lebendige Beziehungen machen das menschliche Miteinander sehr viel spannender und reizvoller, als wenn das Salz in der Suppe fehlt. Wie oft hat man sich in Gesellschaft eines Menschen mit einem gewissen Hang zur Dramatik nicht schon gut unterhalten gefühlt und einen spaßigen Abend erlebt?

Letztlich ist es auch der Dame aus dem Brautstrauß-Battle gelungen, mit ihrer Aktion unvergessliche Erinnerungen zu schaffen, über die sich heute noch alle (außer ihr) in regelmäßigen Abständen kaputtlachen. Und eine kleine Drama-Queen mit dem Wunsch nach ein bisschen Bühne schlummert insgeheim doch in jeder von uns, oder nicht?! 😉


Liebe Leserin – Hast du Drama-Queens in deinem persönlichen Umfeld? Was nervt dich am meisten und welche Strategie hat sich bislang für dich als am besten erwiesen? Wir würden uns über einen Kommentar zu deinen Erfahrungen freuen.

Weiterführende Links zum Beitrag:

Ein bewährter Klassiker mit vielen hilfreichen Tipps auch zum Thema Kommunikation und Gesprächsführung ist das Buch „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“ von Dale Carnegie

 

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