Warum aufgesetzte gute Laune so unerträglich ist und wie du clever damit umgehst

„Die falsche Freundlichkeit zweier Frauen, die sich hassen, ist lustiger als die beste Komödie“. Den Urheber dieses tollen Zitates haben wir leider nicht herausgefunden, passend für unseren neuen Artikel fanden wir es aber allemal.

Fällt dir auf Anhieb auch eine Person ein, die dir persönlich eigentlich gar nichts getan hat, die du aber partout nicht erträgst, weil sie stets ein fröhliches Lächeln im Gesicht hat, ihre Kommunikation in einem unnatürlich hohen Sing-Sang erfolgt und sie zu so verbotenen Sätzen neigt wie „Lach‘ doch mal!“?

Ob die Kollegin, die einem zu unchristlichen Uhrzeiten bereits ein „Guten Morgääääähn“ entgegenflötet, wo eine gewisse Morgenmuffeligkeit noch völlig legitim ist, oder die Mutter aus der Kindergartengruppe, die einen Sticker mit einem penetrant leuchtenden gelben Smiley und dem Mantra „Lache, auch wenn dir zum Weinen ist“ auf ihrem Auto prangen hat – aufgesetzte gute Laune lauert förmlich an jeder Ecke.

„Denke stets positiv“, „Du kannst alles schaffen, was du willst, du musst nur an dich glauben“, „Alles wird gut“, die Liste an Glückskeks-Sprüchen kennt keine Grenzen.

Höchst Zeit für unsere persönlichen Anwärterinnen für den ewigen Gute-Laune-Thron!

Kandidatin 1: Ihres Zeichens Angestellte in leitender Position mit Personalverantwortung für etwa 50 Personen. Böse Zungen behaupten, es habe damals wirklich niemand auch nur ansatzweisen Brauchbareren gegeben, als die Stelle zu besetzen war. Vordergründig immer gut gelaunt und freundlich grüßend bringt sie zu jeder Teamsitzung Naschwerk mit, das mit großer Inszenierung auf der Mitte des Tisches platziert wird, um dann quasi erstmal jedem für sein Dasein auf dieser Welt zu danken. Betritt sie den Raum, wartet man nur darauf, dass sie einen devoten Knicks vollführt oder jedem Anwesenden den Segen spendet. Hinter ihrer Fassade kündigt sie jedoch gerne jeden, der einen Kugelschreiber vom Arbeitsplatz „entwendet“ und hat kein Problem damit, sich auf perfide Art und Weise Informationen zu beschaffen, die als Abmahnungsgrund herhalten könnten.

Kandidatin 2: Ist einem bereits in der allerersten Woche an der Uni aufgefallen, als auf E-Mail-Listen plötzlich die höchst bezeichnende Adresse Gute-Laune-Baerchi85@web.de auftauchte und man innerhalb von einer Sekunde wusste, dass einen mit dieser Person niemals eine tiefe Freundschaft verbinden wird. Für jeden auch nur ansatzweise negativen oder kritischen Satz hat sie ein aufmunterndes Gute-Laune-Mantra parat und nie würde ihr ein böses Wort über die Lippen kommen. Sie ist der Inbegriff des Gute-Laune-Terroristen, der dir jederzeit die dunklen Wolken am Gefühlshimmel wegpusten würde. In Semester-Abschluss-Klausuren, wo Ruhe das höchste Gut ist, verbreitet sie gerne “positive Vibes”, indem sie ihre Schuhe mit den kleinen süßen Kuhglöckchen an den Schnürsenkeln trägt und regelmäßig die Toilette besucht.

Kandidatin 3: Am Arbeitsplatz das berühmte „Mädchen für alles“ (auch eine feste Instanz in der Rubrik „nervige Kollegen„), einen Titel, den sie mit großem Stolz bekleidet, ohne das Gespür dafür zu haben, dass es damit nur ein schmaler Grat bis zum „Deppen vom Dienst“ ist. E-Mails an eine Gruppe von Vorgesetzten eröffnet sie gerne mal mit Worten wie „Hallo ihr Lieben“ und schließt mit „Eure Susi“. Ihre normale Stimmlage ist eher ein Trällern als ein Sprechen und funkt damit vermutlich auf einer ähnlichen Ultraschall-Frequenz wie die gemeine europäische Fledermaus. Schlechte Laune und Unstimmigkeiten sind für sie regelrecht bedrohlich, weil sie für ihren persönlichen Seelenfrieden und ihren Selbstwert das Gefühl braucht, von allen gemocht zu werden.

Na, kennst du eine der Damen vielleicht aus deinem persönlichen Umfeld?

In diesem Artikel beschäftigen wir uns nicht nur damit, warum wir Dauergrinser so schlecht ertragen und was sich hinter aufgesetzter Freundlichkeit verbirgt, sondern liefern dir auch fünf handfeste Tipps, wie du sinnvoll darauf reagieren kannst, ohne selbst das Gesicht zu verlieren.

Warum kleine Sonnenscheine eigentlich unser Mitleid verdient haben

So sehr aufgesetzte Freundlichkeit und penetrante gute Laune nerven oder gar ärgern können, die Gründe dahinter sind oft eher bedauernswert. So kann das entsprechende Hintergrundwissen allein deswegen schon dazu beitragen, solche Menschen etwas besser zu ertragen und nicht jedes Mal sofort Reißaus nehmen zu wollen.

Ganz häufig stecken hinter solchem Verhalten Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen und die Angst vor Zurückweisung. Oft mussten Menschen mit diesem Problem in ihrer bisherigen Biografie die Erfahrung machen, für ihre Persönlichkeit oder ihr Gefühlsleben abgelehnt zu werden bzw. nur Zuwendung zu erfahren, wenn es mit ihnen „einfach“ und unbeschwert war.

Manchmal ging dies sogar so weit, dass ihnen im Elternhaus die unausgesprochene Rolle zugeschrieben war, Mama und Papa durch ihr Dasein glücklich zu machen. Wer kennt nicht diese Beziehungen, wo ein Kind gerade dann auf die Welt kam bzw. ein Kinderwunsch in die Tat umgesetzt wurde, als man als Außenstehende eigentlich dachte, dass das Pärchen bald die Trennung bekanntgeben würde, weil es schon seit geraumer Zeit ganz offensichtlich nur noch kriselte. Solche Kinder kommen quasi mit dem Auftrag auf die Welt, als kleiner Sonnenschein für gute Stimmung zu sorgen, was gleichermaßen auch bedeutet, niemanden durch eigene Sorgen zu belasten und die eigenen Gefühle besser für sich zu behalten.

Andere haben möglicherweise Angst vor zu viel Nähe und die Befürchtung oder Erfahrung gemacht, dass es gegen sie verwandt werden könnte, wenn sie zu viel von sich preisgeben. Manchmal ist es vielleicht auch einfach die Erfahrung, mit guter Laune im Leben mehr erreicht zu haben als mit schlechter, weil im Job, Freundeskreis oder Sportverein niemand übermäßig emotionale oder völlig problembehaftete Menschen haben möchte. Nicht zuletzt kann solches Verhalten aber auch bewusst eingesetzt werden, um zu taktieren und den anderen für sein Ziel gefügig zu machen.

Die gute Laune an sich bzw. das Maß an Freundlichkeit ist auch gar nicht unbedingt der Stein des Anstoßes. Zum Problem mit Nerv-Potenzial wird es erst, wenn man die andere als nicht mehr authentisch erlebt. Wir Menschen streben nach Durchschaubarkeit, Sicherheit und Vertrauen, was gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen eine große Rolle spielt, weil wir zum Überleben auf andere angewiesen sind. Wir wollen wissen, wo wir bei jemanden dran sind und das Gegenüber einschätzen können.

Genau deswegen sind wir mit sehr sensiblen Antennen ausgestattet, die uns vermelden, ob jemand glaubwürdig oder zweifelhaft ist. Zeigt sich eine Person immer nur von einer Seite und trägt dabei noch ziemlich dick auf, dann schlagen unsere Antennen berechtigterweise aus und starten quasi den Schutzmodus, auf Abstand zu gehen.

5 Tipps für den cleveren Umgang mit aufgesetzter guter Laune

Wie immer gibt es verschiedene Strategien, wie man das Problem angehen kann und jede sollte für sich schauen, welche Herangehensweise sie für sich als die passende empfindet. Das A und O bei der Umsetzung ist nämlich, selbst authentisch zu sein und nicht ebenfalls die negativen Emotionen, die man der Problemkandidatin gegenüber empfindet, mit aufgesetztem Verhalten zu überspielen.

  1. Authentische Emotionen verstärken. Die natürliche Reaktion, die Menschen mit richtig dick aufgesetzter guter Laune oder ihrer Lach-doch-mal-Attitüde bei uns auslösen, reicht von Genervtheit bis hin zu handfester Aggression, dicht gefolgt von dem Wunsch, die Person auf ewig zu meiden oder ihr ihre gute Laune mittels einer entsprechenden Ansage für immer auszutreiben. Die schlaue Miss-Verständnis-Leserin wird jedoch wissen, was dann passieren wird: Das Problemverhalten wird sich vermutlich verschlimmern, weil die andere sich darin bestätigt sieht, dass sie nicht gut ankommt und dies mit noch mehr Freundlich- und Fröhlichkeit zu kompensieren versucht. Wer uns nun schon etwas länger verfolgt, der kennt an dieser Stelle auch die richtige Reaktion: All das verstärken, bei dem das Gegenüber sich in seinen Emotionen authentisch zeigt, z.B. negative Gefühle offen äußert, Verletzlichkeit oder Schwäche demonstriert, den Miesepeter in sich herauslässt. Hier gilt es unsererseits zu vermitteln, dass dies genauso erwünscht und okay ist („Ich bin ja beruhigt, zu wissen, dass es dir auch mal anders geht, dann fühle ich mich nicht so schlecht“), indem Interesse oder Anteilnahme vermittelt und Hilfe angeboten wird.
  2. Interesse signalisieren. Sind die schauspielerischen Fähigkeiten von Positiv-Paula eher grenzwertig und es ist offensichtlich, dass es hinter der Fassade stimmungsmäßig eigentlich ganz anders aussieht, wäre es eine Möglichkeit, an dieser Stelle einfach freundlich-interessiert nachzufragen. Wichtig ist hier allerdings, selbst authentisch zu sein und aufrichtiges Interesse zu vermitteln, anstatt in einen sarkastischen Unterton zu verfallen und ebenfalls aufgesetzt zu wirken. „Du wirkst, als wäre dir eigentlich gar nicht zum Lächeln zumute, was ist los?“, manchmal reicht das schon aus, dass buchstäblich die Dämme brechen und sich die wahren Emotionen ihren Weg nach draußen bahnen.
  3. Humor nutzen. Auch wenn du denkst, wir könnten uns langsam mal etwas Neues einfallen lassen, Humor ist einfach DIE Strategie, um in zwischenmenschlichen Beziehungen auf verträgliche Art und Weise schwer verdauliche Themen anzusprechen. Warum also nicht Miss Happy Face mit ihren eigenen Waffen schlagen und sie mit einer Prise Sarkasmus auf das Problem aufmerksam machen? Wie wäre es hiermit: „Deine gute Laune macht mich fertig“, wahlweise auch „Im Vergleich zu dir und deiner guten Laune wirkt Ronald McDonald wie der letzte Trauerkloß“. Ironie lässt stets offen, ob es einfach nur ein dummer Spruch war oder doch eine subtilere Botschaft enthalten ist, was es weniger verletzend macht und letztlich der anderen überlässt, für welche Option sie sich entscheidet.
  4. Irritation äußern. Möchte man es nicht auf subtile Art und Weise ansprechen und stattdessen einen halbwegs geradlinigen und unverblümten Versuch starten, das Problem zu thematisieren, könnte es ein Weg sein, die eigene Irritation zu äußern, die das Verhalten in einem auslöst. Anstatt zu sagen, wie sehr die andere einem mit ihrem aufgesetzten Dauergrinsen doch auf den Geist geht und welche Aggressionen sie in einem hervorruft, wäre vielleicht die folgende Formulierung eine sozial verträgliche Idee, über die man ins Gespräch kommen könnte: „Ich weiß bei dir nie so ganz, woran ich bin und das verunsichert mich“. Um zusätzlich noch aufzuzeigen, welche Konsequenzen dies nach sich zieht, bietet sich Folgendes an: „Angesichts deiner immer guten Laune habe ich oft das Gefühl, über Negatives nicht mit dir sprechen zu können, weshalb ich den Kontakt dann manchmal lieber ganz meide“. Ich-Botschaft ohne Vorwürfe oder Kränkungspotenzial, dennoch das Problem klar benannt.
  5. Vermeiden vor verletzen. Bevor es einem selbst nicht mehr gelingt, die eigenen Emotionen im Griff zu halten und man irgendwann eine Reaktion zeigt, die nicht nur unangemessen, sondern auch verletzend ist, sollte man sich lieber erlauben, den Kontakt zur betroffenen Person auf ein Minimum zu reduzieren. Man muss nicht jeden mögen, man selbst wird schließlich auch nicht von aller Welt als sympathisch empfunden und es ist vollkommen okay, wenn man sich dazu entscheidet, mit jemandem nicht mehr zu tun haben zu wollen, als nötig. Das ist nicht nur völlig legitim, sondern auch die galantere Umgangsweise.

Lieber eine Little Miss Sunshine als Bernd das Brot

Auch wenn wir aufgesetzte gute Laune bei anderen als nervige Eigenheit betrachten, sollten wir uns immer nochmal vor Augen führen, dass es – unter allen Problemen, die zwischenmenschliche Interaktionen so mit sich bringen können – doch weitaus schlimmeres gibt. Lästig ja, eine leidige Qual nicht unbedingt.

Für manche von uns ist es beispielsweise deutlich schwerer auszuhalten, wenn sie mit Cholerikern zu tun haben, die ihre Emotionen überhaupt nicht im Griff haben und bei denen man nie weiß, wie man sie ansprechen soll, weil sie jede Sekunde in die Luft gehen könnten.

Das Zurückhalten eigener Emotionen stellt an vielen Stellen im Leben und in unzähligen Berufen eine wichtige Kompetenz dar, denn im Kontakt mit Kunden haben die persönlichen Fisimatenten einfach nichts zu suchen und professionelles Auftreten ist gefragt. Denn wer hätte auf seinem nächsten Flug schon gerne eine Flugbegleiterin, die sich gefühlsmäßig nicht im Griff hat oder eine Therapeutin, die einen ständig mit ihrem eigenen emotionalen Ballast belastet?

Darüber hinaus ist das Problem für die Betroffene in der Regel deutlich schwerer auszuhalten als für ihr Gegenüber, so mögen wir am Ende zwar außerordentlich genervt sein, die negativen Folgen für uns halten sich ansonsten aber in Grenzen. Für die Person selbst hingegen kann das zwangsweise Zurückhalten der eigenen Emotionen bzw. die aufgesetzte Freundlichkeit zum absoluten Kraftakt werden und auf lange Sicht regelrecht krank machen.

Auf der anderen Seite gibt es wiederum psychologische Studien, die herausgefunden haben, dass schon das Aufsetzen eines positiven Gesichtsausdrucks gute Stimmung auslösen kann. Warum also nicht selbst mal ausprobieren, welchen Effekt es hat, wenn man ein Lächeln aufsetzt, auch wenn es sich gerade nicht 100% danach anfühlt?

Letztlich sind wir uns vermutlich alle einig, dass man summa summarum mit guter Laune immer noch besser durchs Leben kommt, als mit schlechter 😊


Liebe Leserin – Geht es dir wie uns und lösen Dauergrinser in dir ebenfalls eher eine Fluchtttendenz aus oder hast du für dich bereits eine gute Strategie gefunden? Lass‘ uns gerne einen Kommentar zum Thema da.

Weiterführende Links zum Beitrag:

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article5058569/Die-unertraegliche-Freundlichkeit-der-Dauergrinser.html

https://www.welt.de/wissenschaft/article12635512/Falsche-Freundlichkeit-schadet-der-Gesundheit.html –> falsche Freundlichkeit macht krank

https://www.focus.de/gesundheit/experten/buergel/ein-plaedoyer-fuer-das-laecheln-lassen-sie-sich-das-laecheln-nicht-vergehen_id_5395767.html à Lächeln macht gute Laune im Gehirn

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