13 nervige Kollegen-Typen und wie du clever mit ihnen umgehst – Teil 1

„Freunde sind die Familie, die man sich selbst aussucht“, heißt es so schön. Für Arbeitskollegen gilt das ganz sicher nicht.  

Auf dem Arbeitsplatz verbringen wir auf unser ganzes Leben gesehen so viel Zeit, wie nirgendwo sonst. Dabei haben wir in der Regel wenig Einfluss darauf, mit wem wir dort zusammenarbeiten. Die morgendliche Fahrt zur Arbeit ist wie eine Art Übertritt in eine Parallelwelt mit ganz eigenen Regeln, Strukturen und Ritualen, wo wir unfreiwillig auf sehr spezielle Charaktere treffen, die es ebenfalls an diesen Ort verschlagen hat. Hinzu kommt, dass man diese leider sehr viel weniger leicht los wird, als den eigenen Partner oder einen lästigen Kaugummi unterm Schuh. Man könnte sich manchmal sogar fragen, ob man eigentlich nur für die Arbeit bezahlt wird oder auch dafür, die Menschen um sich herum auszuhalten 

Wir machen in den nächsten zwei Artikeln mit euch einen Ritt durch die bunte Welt der Kollegen-Persönlichkeiten und geben euch ultimative Tipps für ein entspannteres Miteinander. 

 

Die ehrgeizige Streberin 

Ist stets perfekt vorbereitet und überlässt nichts dem Zufall. Großes Nervpotenzial hat sie unter anderem deshalb, weil sie bereits alle Eventualitäten vorweggenommen hat und die passende Lösung gleich frei Haus liefert. Verlangt der Chef einen dreiseitigen Entwurf bis nächste Woche, liefert sie ein zehnseitiges Exposé – am nächsten Tag. Damit geht sie dann auch gerne hausieren, schließlich soll doch jeder mitkriegen, dass sie der aufstrebende Stern am Firmen-Firmament ist.  

Prinzipiell könnte sie eine top Kollegin sein, wenn sie nicht so verbissen wäre und ein Zusammensein mit ihr der Atmosphäre eines erbitterten Zehnkampfes gleichkommt. Ausgelassene Späße und Dummlabereien sind mit ihr nur schwerlich möglich, schließlich ist die Arbeit eine todernste Sache, wo nur Fleiß und Disziplin einen Platz haben. Getreu dem Motto „Wer lacht, fliegt“.  

Die Ehrgeizige macht in der Regel einen tollen Job, ist auf kollegialer Ebene aber eher anstrengend, weil sie ihre hohen Erwartungen nicht nur an sich, sondern auch an andere stellt und wenig zu einem entspannten Klima beiträgt. Deutet sich an, dass sie einen Fehler gemacht haben könnte, folgen langwierige Erklärungen oder Untersuchungen, ob dies wirklich sein kann, was auch in Diskussionen um unwichtige Kleinigkeiten ausarten kann. 

Gebrauchsanweisung: Bloß nicht verunsichern lassen. Wer meint, er müsste in seinem Job 250% geben, der soll sich ruhig schon bis zur ersten Kaffeepause heillos verausgaben. Der schlaue Kopf kennt das Pareto-Prinzip und weiß, dass 80% des Ergebnisses mit 20% Aufwand eingefahren wird. Von daher müde belächeln und ein Loblied auf die eigene Effizienz singen. 

  

Die Tratschtante 

Fällt nicht unbedingt durch wahnsinns Engagement oder Fleiß auf, wenn es um die Aufgabengebiete geht, für die sie eigentlich eingestellt ist. Hat dafür aber übermenschliche und höchst effektive Fähigkeiten im Bereich Stalking und Informationsbeschaffung, die sie gerne neben ihrer eigentlichen Tätigkeit ausübt. Kennt die Facebook-Profile sämtlicher Kollegen, schickt als Erste den Screenshot aus der Babygalerie, wenn die Frau von Kollege XY entbunden hat und weiß stets über die neuesten Affären, Trennungen oder sonstige Gerüchte Bescheid.  

Dein Verhältnis zu ihr ist zwiegespalten – man hat sie nicht gerne gegen sich, ist von ihrer Arbeitsmoral aber gleichzeitig genervt. Sie erzählt Dinge gerne „streng vertraulich“, dafür aber jedem und ihre eigene Vertrauenswürdigkeit beläuft sich somit gegen Null. Weist Ähnlichkeiten zur guten Fee auf, ist in der Regel aber weniger gutmütig und wohlwollend unterwegs. 

Gebrauchsanweisung: Die Tratschtante hat man besser auf seiner Seite, weshalb ein distanziertes Verhältnis vielleicht die naheliegendste, nicht aber die klügste Strategie darstellt. Vom Zuhören allein gerät man noch nicht in ihr Visier, Privatgespräche aber lieber vor der Tür führen und Knatsch mit den Kollegen nicht gerade vor ihrem Radar austragen. Klatsch und Tratsch darfst du dir gerne anhören (schließlich sind wir alle neugierig!). Sei aber vorsichtig, dass du nicht selbst mit einsteigst. 

  

Die Unselbstständige 

Ist selbst mit einfachen Arbeitsaufträgen schon überfordert und setzt ihre Energie deswegen bevorzugt dafür ein, durch Gesichtsausdrücke, die wahlweise Verzweiflung oder Ahnungslosigkeit vermitteln, Helfer zu finden.  

Sie erzeugt selbst nach Jahren noch den Eindruck, neu auf ihrem Arbeitsplatz zu sein und wirft regelmäßig die Frage auf, wie sie ihre Ausbildung oder gar ein Studium geschafft hat. Schon Aufgaben wie das Verfassen einer Glückwunschkarte, die Kollegen ihr diktieren, bringen sie an ihre Grenzen und sie bringt es sogar fertig, mehrfach hintereinander eine Senseo-Maschine zu fluten.  

Manche sagen ihr eine Verwandtschaft mit dem Trittbrettfahrer und der Büro-Mama nach. Längere Auseinandersetzungen mit ihr treiben dich in den Wahnsinn und verleiten dich dazu, gewisse Aufgaben lieber selbst zu machen. Ist leider häufig nicht die hellste Kerze im Leuchter.  

Gebrauchsanweisung: Auf keinen Fall über längere Zeit den kleinen Finger reichen, dann macht deine Hand nämlich bald ihre Aufgaben mit. Stattdessen immer wieder ihre Selbstständigkeit fördern, indem du ihr beispielsweise bevorzugt solche Aufgaben zuweist, die vielleicht nicht schwierig, dafür aber lästig sind und dich in deiner täglichen Arbeit aufhalten. Die bekommt sie gut bewältigt und so entsteht quasi eine Win-Win-Situation für euch beide. 

  

Die zwanghafte Pedantin 

Überkorrekt und höchst unflexibel, zwei zentrale Eigenschaften der Pedantin. Ihr Arbeitsplatz ist penibel aufgeräumt, die Kugelschreiber nach Farben im Stiftebecher sortiert und der PC-Bildschirm ist exakt parallel zur Schreibtischunterlage ausgerichtet.  

Arbeitet ihre Aufgaben nach eigens entwickelten Schemata ab und erstellt morgens als Erstes eine detaillierte To-Do-Liste für den Tag. Ihr absolutes Feindbild ist die Unstrukturierte, die aus ihrer Sicht keine Daseinsberechtigung am Arbeitsmarkt hat und den Untergang für jedes Unternehmen darstellt. Ist dort am besten aufgehoben, wo Genauigkeit vor Schnelligkeit steht (z.B. Chefsekretärin oder Vorzimmerdame) und arbeitet am effizientesten für sich alleine. Regt sich in Gruppen zu sehr über die Nachlässigkeit oder Arbeitsmoral der anderen auf und sorgt dort mit ihrer Art nicht unbedingt für gute Stimmung, was zu gegenseitiger Antipathie führt. Steht bei Vorgesetzten nicht auf Platz 1 der Sympathie-Hitliste, ist wegen ihrer guten Arbeit dennoch eine beliebte Kandidatin für verantwortungsvollere Positionen (sofern halbwegs teamfähig). 

Gebrauchsanweisung: „Never change a running system“, vor allem wenn es ein so unflexibles wie das der Pedantin ist. Letztlich ist es egal, ob du es anders machst und deine Herangehensweise die bessere ist – was zählt ist das Ergebnis. Falls möglich, in ein eigenes Büro setzen und mit Fleiß-Aufgaben betrauen, bei denen sie mit ihrer Struktur und Präzision glänzen kann. Zufriedene Pedantinnen sind erträgliche Kolleginnen. 

  

Die gute Fee / Büro-Mama 

Verwendet gefühlt all ihre Zeit und Energie darauf, das absolute Wohlfühlklima zu erschaffen und die gesamte Kollegenschar durch entsprechende Maßnahmen glücklich zu machen.  

Sie kennt jeden Geburtstag, bringt regelmäßig „einfach so“ Kuchen oder Süßigkeiten mit, dekoriert die Räumlichkeiten passend zur Jahreszeit und macht nach Feiern bereitwillig den Abwasch. Wie jede echte Mama kann sie mit ihrer Art auch mal nervig werden. Weil sie beispielsweise sie bevorzugt in vermeintlich unnütze Aufgaben investiert und beim eigentlichen Arbeitsgebiet nicht unbedingt die stärkste Kraft darstellt. Besetzt in der Regel eine der Stellen, die chronisch unterbezahlt sind und läuft gleichzeitig Gefahr, von den Kollegen ausgenutzt zu werden. Ist sich beidem allerdings bewusst und nimmt dies in Kauf, weil das Gefühl, gebraucht zu werden, ihr Selbstbewusstsein maßgeblich aufwertet. 

Gebrauchsanweisung: Genieße die Vorteile, die die gute Fee mit sich bringt – die positiven Seiten überwiegen an dieser Stelle definitiv! Falls es dir aufrichtig möglich ist, lass‘ doch von Zeit zu Zeit mal ein ehrliches Kompliment fallen, welches ihr Selbstbewusstsein stärkt, ohne dass sie sich dafür immer ins Zeug legen muss. Dann nehmen nervige Begleiterscheinungen vielleicht von alleine ab. 

  

Die Labile 

Ist nicht wirklich belastbar, andernorts deswegen auch gerne bekannt unter der Gattung der Mimose.  

Ihre Schwelle, sich krank zu melden, liegt außerordentlich niedrig, wozu schon Phänomene wie Vollmond, diffuser Schwindel oder „Kreislauf“ ausreichen (an dieser Stelle verweisen wir gerne auch auf unseren Beitrag „Hilfe, meine Kollegin hat ein schwaches Immunsystem!). Hört sie andere nur von Herpes reden, taucht sie am nächsten Tag selbst mit einem blühenden Exemplar auf der Arbeit auf und klingelt das Telefon dreimal hintereinander, ist der Nervenzusammenbruch vorprogrammiert. 

Die Labile gehört nicht zu den Lieblingskolleginnen, weil man ihre Arbeit häufig mitmachen muss und in Krisenzeiten nicht auf sie zählen kann. Ihre Stresstoleranz ist eher gering ausgeprägt, beherzt zupacken ist nicht ihre Kernkompetenz. Stattdessen sorgt sie für Unmut, da sie durch ihre Ausfälle zu einer unfreiwilligen Variante des Trittbrettfahrers mutiert. 

Gebrauchsanweisung: Aufregen, lästern, jammern oder mobben hilft hier wenig. Steht stattdessen als Kolleginnen zusammen und sucht nach einer Lösung, mit der ihr mögliche negative Konsequenzen auffangen könnt. Die Schwäche der anderen ist für dich außerdem immer eine Chance, mit deinen eigenen Stärken zu glänzen und dich zu empfehlen. 

  

Das Opfer 

In Begegnungen mit dem Opfer geht es selten um Inhaltliches oder Positives, sondern darum, was ihm jüngst wieder Ungerechtes widerfahren ist, unter was oder wem es gerade besonders zu leiden hat und was alles Tolles bei ihm nicht gesehen und erst recht nicht wertgeschätzt wird.  

Das Opfer kann prinzipiell wertvolle Arbeit leisten, wenn es ihm gelingt, sich auf das Wesentliche zu fokussieren und die eigene Person einmal außen vor zu lassen. Leider verbringt es häufig jedoch einen Großteil seiner Zeit damit, maßlos zu jammern. Ist es nicht der Chef, der mal wieder für Kränkung gesorgt hat, dann sind es die Überstunden, die nicht angemessen gewürdigt werden oder die Tatsache, dass sich am Geburtstagsgeschenk nur 9 von 10 Kollegen beteiligt haben.  

Gerne knallt das Opfer einem auch mal solche Abstrusitäten vor den Latz, wie dass es mehrere Nächte lang nicht mehr richtig schlafen konnte, weil du es nicht sofort als Erstes über ein wichtiges Ereignis in deinem Privatleben informiert hast.  

Die Auseinandersetzung mit Opfer-Kolleginnen ist deswegen besonders anstrengend, weil sie bevorzugt um sich selbst kreisen, eine recht eigenwillige Wahrnehmung der Realität haben und wenig Interesse am Gegenüber zeigen, sodass Konversationen sehr einseitig ablaufen und ganz schön auslaugen können. 

Gebrauchsanweisung: Nicht auch nur ein einziges Mal den Kummerkasten machen oder sich in Jammereien verstricken lassen, dann hast du diese Rolle bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag gepachtet. Mit solchen Charakteren immer nur aufs Wesentliche beschränken und streng an der Sache orientieren. Hälst du dagegen, befeuerst du das Opfer-Feeling, stimmst du zu, gibst du quasi die Legitimation zum Jammern. Und egal wie, es wird jedes Mal schlimmer. 

  

Damit wären sieben der gängigen Kollegen-Typen fürs Erste abgefrühstückt. Da es aber im Mikrokosmos Arbeitsplatz mindestens genauso viele Charaktere gibt wie das Jahr Monate hat, stellen wir euch die nächsten Highlights am Firmen-Firmament in einem gesonderten Beitrag vor. Sei gespannt und bleib‘ dabei! 😊 


Liebe LeserinWelcher Kollegen-Typus ist für dich am schwierigsten auszuhalten? Lass‘ uns an deinem persönlichen Nerv-Kandidaten in den Kommentaren teilhaben. 

Weiterführende Links zum Beitrag:

Ein hilfreicher Ratgeber zum Thema Kommunikation und zwischenmenschliches Miteinander ist der Klassiker „Wie man Freunde gewinnt: Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“ von Dale Carnegie

Eine schöne Darstellung des Pareto-Prinzips (inklusive Poster zum Download und Buch-Tipp zum Thema) findet sich auf der Seite von Zeit zu leben

 

Sei die Erste, die diesen Beitrag teilt!

Kommentare zum Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar