Wie du eine Freundschaft gut beendest

Oder auch: Wie werde ich sie los in zehn Tagen?

Okay, wir geben zu: In dem Film, auf den wir anspielen, ging es nicht um eine platonische Freundin, der man sich damals entledigen wollte. Auch wissen wir, dass der berühmte Film letztlich – oh Wunder –  mit einem Happy End zu Ende ging, weil Kate Hudson irgendwann doch auf den Trichter kam, dass sie Matthew McConaughey lieber behalten würde, als ihn loszuwerden. Aber ist es nicht die viel größere Herausforderung, eine Freundin loszuwerden, die sich eigentlich nichts hat zu Schulde kommen lassen und sich möglicherweise sogar noch sehr um einen bemüht hat? Oder eine langjährige Freundschaft zu kündigen, weil man sich in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelt hat?

Im Gegensatz zu einem unliebsamen Bewerber an der Liebesfront, bei dem einem recht egal ist, ob er hinterher gekränkt ist und bei seinen Kumpels schlecht über einen redet, ist es bei Freundschaften fast schon ein Tabu-Thema, weil man sowas „halt nicht macht“ und es ein schlechtes Licht auf einen werfen könnte.

Wer hat nicht eine Lisa, Jenny oder Kathi im Freundes- oder Bekanntenkreis, die komischerweise immer nur dann auf der Bildfläche auftaucht, wenn es mit ihrem Kerl gerade mal nicht mehr so gut läuft oder plötzlich eine ausgeprägte Unternehmungslust entwickelt, wenn sie wieder zur Singlefront übergetreten ist?

Ein anderes Beispiel sind Freundinnen, die noch aus solchen Lebensphasen übriggeblieben sind, wo man zwangsläufig eine gewisse Zeit am selben Ort verbracht hat. Weil man im Studium beispielsweise mal ein Referat zusammen halten musste oder sich beim ersten Kind im selben Schwimmkurs wiedergefunden hat (wobei die Mütter-Szene nochmal ein ganz spezielles Thema für sich ist, das einen eigenen Artikel verdient hat). Ist einem damals vielleicht gar nicht aufgefallen, dass die Person nicht so auf der gleichen Welle schwimmt, weil man sich so extrem über die Note gefreut hat, die man zusammen erreicht hat, ist es einem vielleicht spätestens dann bewusst geworden, als man am Ende des Studiums eine Einladung zu ihrer Hochzeit im Briefkasten hatte und sofort der Gedanken aufkam, dass man selbst niemals auf die Idee gekommen wäre, sie auf die Gästeliste zu setzen. Seitdem meldet sie sich regelmäßig mit ausführlichsten WhatsApp-Nachrichten, was gerade in ihrem Leben so los ist. Nachrichten von dem Typ, auf die man auch nach drei Wochen noch nicht geantwortet hat, weil es einem einfach zu lästig ist. Und stetig wird der Gedanke lauter, dass es gar nicht so dramatisch wäre, wenn besagte Freundin demnächst verkünden würde, dass sie in ein fernes Land ohne Internet, Telefon und Briefpapier umzieht.

Um eins gleich vorweg zu nehmen: Wir werden in diesem Artikel zwar keine Schritt-für-Schritt-Anleitung liefern, wie du sie in 10 Tagen loswirst, dir dafür aber ein paar handfeste Tipps an die Hand geben, wie du Freundschaften mehr oder weniger sauber beenden kannst.

„Es liegt nicht an dir. Ich mag dich nur einfach nicht mehr.“

Zunächst möchten wir dich beruhigen: Ein potenzielles schlechtes Gewissen ist nachvollziehbar. Der Mensch ist ein soziales Wesen und die Welt so angelegt, dass das Überleben in der Herde deutlich wahrscheinlicher ist.

Sollte man also freiwillig Menschen aus seinem Leben streichen, bei denen es nicht unbedingt notwendig ist? Auch wurden die meisten von uns mit dem Leitsatz erzogen „Was du nicht willst, was man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu!“. Ist es dennoch okay, jemanden durch das eigene Verhalten gegebenenfalls zu kränken und Schuld auf sich zu laden? Wir sagen JA!

Je älter man wird und je weniger die Zeit, die rein für das eigene Vergnügen zur Verfügung steht (und diese Zeit nimmt leider bereits ab der Grundschule gefühlt rapide ab), desto geringer auch die Bereitschaft, diese für etwas aufzuwenden, was einen nicht vollends erfüllt. Das Leben ist endlich und die Verpflichtungen nehmen mit Vollzeitjob, Eigenheim und Kindern stetig zu, da will wohlüberlegt sein, wofür man seine Ressourcen nutzt. Auch ist es völlig menschlich, dass man sich in verschiedene Richtungen entwickelt, die Lebensentwürfe nicht mehr zusammenpassen oder sich irgendwann herausstellt, dass die Basis doch nicht für mehr ausreicht, wenn das, was einen ursprünglich zusammengebracht hat, vorüber ist (besagter Schwimmkurs, das Studium oder ähnliches).

Ebenso kann es vorkommen, dass die Beziehung nicht mehr ausgeglichen ist, weil man sich nur noch in der Helfer-Rolle wiederfindet, ständig die immer gleichen Storys über einen Partner ertragen muss, den man selbst schon längst abgeschossen hätte oder sich zunehmend als Notnagel vorkommt, wenn sonst keiner Zeit hat.

Wann du gedanklich dein Köfferchen packen solltest

Zeit für den Rückzug ist es dann, wenn die Freundschaft dir eher etwas nimmt, als dass sie dich erfüllt. Wenn du selbst die Couch und das, was Samstagabend auf RTL läuft, attraktiver findest, als dich am Wochenende mit besagter Freundin zu treffen. Wenn es dir lästig wird, die Freundschaft zu pflegen und du kein Bedürfnis mehr danach hast, etwas vom anderen zu erfahren oder von dir selbst zu erzählen. Es müssen nicht erst eindeutige Gefühle wie Ärger, Enttäuschung oder Zeitverschwendung auftauchen, damit es legitim wird, eine Beziehung zu beenden. Authentizität und Ehrlichkeit vor Oberflächlichkeit und „Anstand“. Schließlich bist du nicht Mutter Theresa, richtig?

5 Tipps, wie du eine Freundschaft beenden kannst

Wie du eine Freundin loswerden kannst, hängt maßgeblich davon ab, wie viel dir die Person letztlich bedeutet, was du selbst an negativen Gefühlen (vor allem ein mögliches schlechtes Gewissen) aushalten kannst und wie wahrscheinlich es ist, dass du ihr im Alltag weiterhin über die Füße laufen wirst. Aber wer wären wir, wenn wir nicht für alle Eventualitäten etwas an der Hand hätten? 😉

  • Wenn es doch noch eine Chance gibt. Wenn du dir nicht 100% sicher bist, ob du die Freundschaft wirklich beenden möchtest, weil dir die Freundin viel bedeutet, die Freundschaft auf einem langjährigen Fundament steht und es eher einzelne, klar abgrenzbare Verhaltensweisen sind, die dich stören, dann könnte es sich lohnen, doch noch einen letzten Versuch zu wagen, das Übel zu beheben. Quasi wie beim Partner, dem man ein letztes Mal die Chance gibt, seine dreckigen Unterhosen aus dem Bad zu entfernen, bevor man diese auf einem großen Haufen verbrennen wird. Sprich offen an, was dich nervt oder ärgert und räume ihr die Möglichkeit ein, es zu ändern. Fände man im umgekehrten Fall vermutlich auch ganz nett.
  • Wenn der sanfte Rückzug ausreicht. Handelt es sich um eine Freundin, die mit einem Mindestmaß an emotionaler Intelligenz gesegnet ist und den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen könnte, empfiehlt sich zunächst die sanfte Methode. Lass den Kontakt ausdünnen und fahre dein Engagement kontinuierlich herunter. Ergreife selbst keine Initiative mehr und antworte nur noch, wenn die andere sich meldet. Die Zeit, die bis dahin verstreicht, darf gerne von Mal zu Mal zunehmen. Achte darauf, weder zu freundlich (erfüllt nicht seinen Zweck) noch zu ablehnend zu sein (könnte Kränkung auslösen), ein gesundes neutrales Mittelmaß ist hier das A und O. Schreiben vor telefonieren. Gib‘ nichts persönliches mehr von dir preis und beschränke Kontakte auf Feiertage und Geburtstage, bevor du dich dann irgendwann gar nicht mehr meldest. Es braucht nicht immer ein klärendes Gespräch.
  • Wenn es den harten Cut braucht. Wenn du mit einem Exemplar zu tun hast, dass solche Zeichen geflissentlich ignoriert, weil das eigene Geltungsbedürfnis oder der Mitteilungsdrang größer ist als jede Empathie, dann sind härtere Geschütze erforderlich. Ist es dir egal, was die Person von dir denkt oder kannst du es aushalten, sie gegebenenfalls gekränkt zu haben, dann sprich‘ aus, was dich stört und äußere klare Vorstellungen, wie du dir den Kontakt zukünftig wünschst (sich nur noch grüßen, kurzen Smalltalk halten oder gänzlich aus dem Weg gehen). Ist dir etwas daran gelegen, dass es unter allen Umständen sauber über die Bühne geht und beide Seiten ohne schlechtes Gefühl auf die gemeinsame Zeit zurückschauen können, dann wähle eine Formulierung, mit der du bei dir bleibst und nicht vermeintliche Defizite des anderen als Begründung nutzt. Hier empfehlen sich allgemeine Formulierungen wie „Es liegt nicht an dir, aber meine Prioritäten und Bedürfnisse haben sich in der letzten Zeit verändert“ oder „Leider ist es mir nicht mehr möglich, es so beizubehalten wie bisher“, wahlweise mit Verweis auf die neue Familienkonstellation oder berufliche Veränderung. Es sollte immer authentisch sein, also bloß nicht wie in „Keinohrhasen“ einen vorgeschriebenen Text am Telefon herunterlesen 🙈 Klare Strukturvorgaben für die Zeit danach sind aber auch hier erforderlich.
  • Wenn sich die Wege weiterhin kreuzen. Wenn sich Begegnungen nicht vermeiden lassen, weil eure Kinder in eine Klasse gehen oder man sein Brot beim selben Bäcker kauft, beschränke es auf die Sache und gib‘ den Kontakten eine klare Struktur. Smalltalk im Stehen statt tiefgründigerer Gespräche oder ein Verweis darauf, dass man sich ja dann bei der nächsten Klassenelternsitzung sehen wird, bevor die andere auch nur in Versuchung kommt, Schlimmeres anzuzetteln. Und wer es an dieser Stelle nicht schafft, die oben benannte Formulierung für den klaren Cut über die Lippen zu bringen, der darf sich gerne mit dem Totschlagargument Nummer 1 behelfen: „Du, ich muss weiter, ich habe Wurst im Auto“ 😁
  • Wenn du es durchgezogen hast. Genau wie du es tunlichst vermeiden solltest, im Suff mit einem Kerl im Bett zu landen, den du gerade mit viel Mühe und Not losgeworden bist, solltest du dich auch hier konsequent an die Regeln halten, die du selbst aufgestellt hast. Mache weder dich noch deine (nun ehemalige) Freundin unglücklich, indem du unklare Zeichen sendest und deine Vorgaben plötzlich nicht mehr gelten. Damit vermeidest du nicht nur falsche Hoffnungen oder Enttäuschung, sondern verhinderst auch, dass du dir doch irgendwann vorwerfen müsstest, dass du zweifelhaft gehandelt hast.

Altes raus, Platz für Neues!

So traurig es auch sein kann, wenn etwas endet und so schön die gemeinsame Zeit gewesen sein mag, die man miteinander geteilt hat, nicht alles im Leben ist für die Ewigkeit bestimmt.

Das wiederum bedeutet allerdings nicht, dass du das Ende nicht auch betrauern darfst oder die gemeinsame Vergangenheit leugnen musst, wenn es vorüber ist. Nicht nur für dich kann loslassen befreiend sein, auch für die andere Seite kann es neue Türen öffnen und die Chance bieten, sich weiterzuentwickeln.

Muss man sich zwangsläufig an eine neue Situation anpassen, birgt dies ebenso die Möglichkeit, gewohnte Dinge zu hinterfragen und neue Wege zu gehen, die vielleicht sogar das noch größere Glück bereithalten. Und wer weiß, vielleicht hast du ja auch selbst schon mal bei jemandem auf der Abschussliste gestanden, ohne dass du es gemerkt hast?! Scheiden muss nicht immer weh tun.


Liebe Leserin – Warst du auch schon mal an dem Punkt, eine Freundin loswerden zu wollen? Hast du es durchgezogen oder hält dich noch etwas ab? Lass es uns in den Kommentaren wissen und vielleicht können wir dir ja weiterhelfen.

Weiterführende Links zum Beitrag:

Ein toller Artikel über 10 Anzeichen, dass Du Deine Freundschaft beenden solltest, findest du auf dem Blog von MyMonk.de

 

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