5 Tricks, wie du geschickt mit Opfer-Typen umgehst

„Das Leben schreibt die schönsten Geschichten“ und liefert uns täglich frei Haus Inspiration für neue Artikel.  

So auch den herrlichen Ausspruch aus der Überschrift, welcher aus dem Mund einer sehr lieben Kollegin stammt, mit der wir uns nicht nur den Arbeitsplatz teilen, sondern auch die tägliche Fahrt zur Arbeit bestreiten. Als wir ihr von unserem Blog erzählt haben, hatte sie sofort eine brandaktuelle Situation aus ihrem Alltag parat, die vermutlich viele von euch kennen und in mehr oder weniger ähnlicher Form bereits selbst erlebt haben 

Die Story ging wie folgt: „Ich war heute Morgen sehr in Eile, musste aber noch dringend etwas ausdrucken. Leider war die Patrone in unserem Drucker mal wieder leer, weshalb ich mich notgedrungen dazu durchrang, beim Nachbarn in der Etage obendrüber zu klingeln und ihn um diesen kleinen Gefallen zu bitten. Wohlwissend, mit welchem Typ Mensch ich es zu tun habe, habe ich eigenes Druckerpapier und die obligatorische Packung Merci mitgenommen. Der Nachbar erklärte sich zwar sofort bereit, mir zu helfen, allerdings nicht, ohne mir noch unter Aufbietung all seiner Kräfte zu vermitteln, wie viel er doch eigentlich zu tun hat, was ihm das jetzt abverlangt und wie anmaßend mein Anliegen doch ist. Mit dem schlechten Gewissen, eine Todsünde begangen zu haben, schlich ich schließlich in meine Wohnung zurück und hatte mal wieder das Gefühl, ich bin schuld. Ich weiß nur noch nicht, warum.“ 

Ähnliche Szenen spielen sich häufig auch am Arbeitsplatz ab, wo es in der Regel die eine Quoten-Kollegin gibt, bei der man sein Anliegen quasi schon mit einem unsichtbaren Schutzschild vor der Brust vorbringt, weil einem gleich das geballte Leid der Welt in Verkörperung ihrer Person entgegenschlagen wird. Gerne gespickt mit einem Bericht darüber, was sonst alles noch schlecht läuft, wie unpassend die Anfrage gerade kommt und dass es doch auch immer sie treffen muss. 

Googelt man das Wort „Opferhaltung“, erhält man knapp 55.000 Einträge dazu, wie jemand zum Opfer wird und was man dagegen tun kann, um diese Rolle wieder loszuwerden. Aber wer feiert eigentlich all die tapferen Heldinnen, die solche Menschen tagtäglich aushalten und darüber selbst fast die Krise kriegen (dazu haben wir sage und schreibe genau einen Eintrag gefunden)? Wir!  

In unserem neuesten Beitrag klären wir auf, was zu einer Opferhaltung führt, warum solche Menschen für ihr Umfeld so anstrengend sind und wie du clever mit Opfer-Typen umgehst, ohne dabei selbst ins Leid zu fallen. 

Warum der Nerv-Faktor größer ist als das Mitleid 

Das klassische Opfer (und damit ist selbstverständlich niemand gemeint, der Opfer einer Straftat, eines Unfalls oder ähnlicher Ereignisse geworden ist – genau wie Opfer einer Gewalttat nicht automatisch eine Opferhaltung haben) nimmt selbst vermeintlich belanglose Dinge persönlich, fühlt sich ständig von allem und jedem ungerecht behandelt, badet in Selbstmitleid, ist um keine Ausrede verlegen und erlebt sich dabei als absolut hilflos. Schuld sind grundsätzlich immer die anderen und es ist nicht verlegen, darauf mittels Gestik und Mimik unmissverständlich hinzuweisen. Oft ziehen schwarze Wolken auf, sobald das Opfer auf der Bildfläche erscheint und ein bleierner Vorhang an Negativität legt sich über alle Beteiligten.  

Für ihre Mitmenschen sind sie deswegen so unliebsame Zeitgenossen, weil sie gedanklich hauptsächlich um sich und ihr Leid kreisen und es ihnen nur schwerlich gelingt, sich selbstkritisch mit eigenen problematischen Anteilen auseinanderzusetzen. Schwierig auszuhalten ist auch, dass sie sich wenig von der Stelle bewegen, wie ein Kaugummi mit ihrem Thema verhaftet zu sein scheinen und es weder vor noch zurück geht. Einmal angefangen, können sie pausenlos jammern. Das Mitleid sinkt rapide und Ärger kommt auf, wenn sie in einem Schuldgefühle provozieren oder mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass man sie schont und aus der Verantwortung heraushält. Falls du jetzt denkst „Das erinnert mich doch sehr an die Freundin, die sich ständig gemobbt fühlt“ – nicht weit gefehlt 😊 

Wie werde ich Opfer und wie bleibe ich eins? 

Klar ist, dass niemand gerne, aus Boshaftigkeit oder Langeweile zum Opfer-Typen wird.  

Wie bei so vielen zwischenmenschlichen Problemen liegen die Ursachen auch hier in den Erfahrungen, die jemand in frühen Beziehungen gesammelt hat. Solche Menschen haben in frühen Jahren oftmals Ungerechtigkeit erfahren oder wurden unfreiwillig in Rollen gedrängt, die man eigentlich in dem Alter nicht haben sollte (beispielsweise Verantwortung für ein Geschwisterkind übernehmen oder die depressive Mama bei Laune halten). Eine Ungleichbehandlung der Kinder durch die Eltern, wenig Raum für eigene Bedürfnisse oder die fehlende Möglichkeit, mitzuentscheiden, sind weitere Faktoren, die in vielen Biographien auftauchen.  

Mangelt es an Aufmerksamkeit oder Zuwendung, weil der schwierige Bruder so viel Kapazität bindet, bleibt das Gefühl hängen, chronisch zu kurz gekommen zu sein. Deswegen ist es nicht nur Balsam für die Seele, sondern gleichzeitig auch wahnsinnig attraktiv, durch die Opferrolle Trost und Mitleid zu bekommen. Menschen hören plötzlich zu und liefern die Streicheleinheiten, die es früher gebraucht hätte. Aus der Nummer wieder herauszukommen, ist somit mit einem großen Verlust verbunden. Wie wir alle wissen, sind Verhaltensänderungen außerdem wahnsinnig anstrengend und Eigenverantwortung kann ganz schön Angst machen. 

5 Tipps, wie du clever mit vermeintlichen Opfern umgehst 

Da viele menschliche Verhaltensweisen, so verschieden sie auch sein mögen, letztlich doch auf die immer gleichen Grundbedürfnisse (z.B. Aufmerksamkeit, Interesse, Wichtigkeit) zurückgehen, muss man das Rad nicht neu erfinden und kann auf Strategien zurückgreifen, die sich auch an anderer Stelle als hilfreich erwiesen haben. Solange du erstmal die Psychologie dahinter geblickt hast, hast du schon halb gewonnen. So vieles lässt sich gleich viel besser aushalten oder tolerieren, wenn man die Ursache dahinter verstanden hat.  

5 ultimative Tipps für einen cleveren Umgang wollen wir dir trotzdem nicht vorenthalten: 

  1. Nicht persönlich nehmen. Es wird mit 99% Wahrscheinlichkeit weder mit dir noch mit deinem Verhalten zu tun haben. Von daher ist es reine Zeit- und Energieverschwendung, sich unnötig Gedanken zu machen (z.B. Was habe ich falsch gemacht und wie kann ich es wieder gut machen?”) oder die wildesten Erklärungen zu finden. Es reicht schon, dass dein Gegenüber keinen Ausweg aus seinen Gedankenschleifen findet, da musst du nicht auch noch damit anfangen. 
  2. Nicht ignorieren, aber auch nicht mit einsteigen. Schenkst du dem anderen gar kein Gehör, verstärkst du nur weiter das Gefühl, nicht verstanden und nicht ernstgenommen zu werden. Im schlimmsten Fall nimmt das Opfer-Denken dann noch mehr zu. Jammerst du allerdings mit, gießt du Öl ins Feuer, wodurch das Ungerechtigkeitserleben sowie negative Gedankenschleifen stetig zunehmen. 
  3. Füttern, füttern, füttern. Sofern es dir authentisch gelingt, wann immer möglich das Bedürfnis nach Interesse, Wertschätzung und Aufmerksamkeit befriedigen. Ehrliche Komplimente machen, aufrichtiges Interesse bekunden und einfach all das verstärken, was gesund und normal ist. Dann muss der andere sein Opfer-Ding gar nicht erst auspacken und kann – zumindest dir gegenüber – davon vielleicht irgendwann ablassen. 
  4. Alles Proaktive fördern. In dem unterstützen, was in eine andere Richtung geht und nach vorne bewegt. Jegliche Versuche, anderes Verhalten zu zeigen oder aus gewohnten Mustern auszubrechen, anfeuern. Jede neue Perspektive, die in Betracht gezogen wird, pushen, selbst mit alternativen Sichtweisen aufwarten oder die auch in der vermeintlichen Hilflosigkeit immer vorhandene Wahlfreiheit vor Augen führen. Jegliche Bewegung ist besser als Stillstand und Verharren. 
  5. Locker bleiben. Sich nicht von der negativen Stimmung anstecken zu lassen, ist zwar eine Herausforderung, es kann aber wahre Wunder wirken, wenn du die drückende Atmosphäre ignorierst und einen lockeren Umgang pflegst. Humor ist ja bekanntlich ansteckend und man hat selbst Opfer schon beim Lachen erwischt. Gegebenenfalls belanglose Themen anschneiden oder Interessen ansprechen, von denen du weißt, dass sie für den anderen eine positive Bedeutung haben (z.B. Hobbys, Familie, Lieblingsserie).

Ein Hoch auf die menschliche Psyche 

Auch wenn der Umgang mit Opfer-Menschen echt anstrengend sein kann und solche Beziehungen viel von uns fordern, ein riesiges Lob an die menschliche Psyche! So ist es doch herausragend und hat große Bewunderung verdient, dass unser Geist so beschaffen ist, dass er uns für den Fall widriger Lebensumstände mit einer Schutzfunktion ausstattet, die uns doch noch irgendwie das Erleben gewisser Befriedigungen (siehe oben) ermöglicht. Zwar auf Umwegen und mit einigen Kosten, aber immerhin. Und mit guten Freunden, die die richtige Bedienungsanleitung kennen, wird vielleicht auch aus dem hartnäckigsten Opfer irgendwann noch ein richtiger Gestalter 😊 


Liebe Leserin – Hast du eigene Erfahrungen mit Opfer-Menschen? Lass uns gerne einen Kommentar dazu da, was sich als deine persönliche Erfolgsstrategie erwiesen hat. 

Weiterführende Links zum Beitrag:

Für den Fall, dass du einen wirklich guten Draht zu der betroffenen Person hast und ihr ein Selbsthilfebuch schenken möchtest, empfehlen wir „Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme“ von Stefanie Stahl. Wegen seiner sehr guten Lesbarkeit und den vielen Praxistipps ist dies seit Jahren eines der Lieblingsbücher unserer Klient/innen. Prinzipiell aber auch eine sehr gute Lektüre für diejenige, die einfach nur sich selbst oder andere besser verstehen möchte.

 

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