Wie du klug mit Menschen umgehst, die du nicht magst

Wie viele Freundinnen hast du, deren Partner du nicht magst? Wetten, dass die Antwort nicht null ist?! Sicherlich kennst du es aus eigener Erfahrung, dass eine total nette Person in dein Leben getreten ist, ihr im Laufe der Zeit Freunde geworden seid, du irgendwann den Partner oder die Partnerin dieses Menschen kennengelernt hast und dein erster Gedanke war, dass dir diese Person abgrundtief unsympathisch ist und ihr niemals, aber auch nie-nie-niemals auf einer Wellenlänge sein werdet.

Oder die Dauer-Single-Freundin in deinem Freundeskreis hat nach Jahren vergeblicher Beutejagd endlich den Mann ihres Lebens kennengelernt, es wird ein pseudo-spontaner Spieleabend veranstaltet, um den Auserwählten vorzustellen (alias: abzuchecken) und es braucht keine fünf Minuten, bis du dich fragst, ob deine Freundin verzweifelt oder du einfach intolerant bist.

Im Laufe des Lebens begegnet man hunderten Menschen, mit denen man zwangsläufig, zufällig oder vielleicht sogar freiwillig in Kontakt gerät, bei denen man nach kürzester Zeit aber feststellt, dass sie einem so gar nicht liegen. Manche dieser Kontakte verlaufen sich Gott sei Dank von alleine wieder, oftmals ist das Gegenüber aber so hartnäckig, dass es tatsächlich einer guten Idee und Einsatz bedarf, um aus der Nummer wieder herauszukommen. Im Falle des unliebsamen Partners deiner Freundin, der nun mal da ist und so schnell auch nicht mehr von der Bildfläche wird, ist das vermutlich sogar noch schwieriger.

Und weil es so schön ist, haben wir hier noch drei weitere Anti-Highlights für dich:

  1. Du bist neu in eine Nachbarschaft gezogen, die sich sehr schnell als der absolute Sechser im Lotto entpuppt. Sämtliche Leute super aufgeschlossen, hilfsbereit, feierfreudig und einfach genau auf deiner Wellenlänge. Bis auf dieses eine Pärchen Anfang 30, das zwar ebenfalls wirklich nett, aber völlig weltfremd und verschroben wirkt und zwar in der selben Straße, insgeheim aber auf einem völlig anderen Planeten zu leben scheint. Weihnachtsferien, Freitagabend, nichts zu tun. Plötzlich klingelt es an der Tür. Davor steht besagtes Pärchen und schafft es innerhalb kürzester Zeit mit wenigen Worten, dich in ein mittelschweres Dilemma zu stürzen: „Wir haben nun einige Zeit eure Autos beobachtet und festgestellt, dass ihr wohl Urlaub habt. Wann habt ihr in den nächsten vier Tagen Zeit, zum Raclette zu uns zu kommen?“. „Gar nicht!“ erscheint an dieser Stelle eher schwierig über die Lippen zu bringen.
  2. Dein Partner und du lernt auf einem Kindergartenfest die auf den ersten Blick super sympathischen Eltern eines Kindes kennen, das mit eurem Nachwuchs in die gleiche Gruppe geht. Eigentlich ist es der Mann, der den Kontakt bahnt, sich sehr aufgeschlossen zeigt und sogleich vorschlägt, man könne doch demnächst mal was gemeinsam unternehmen. Schnell wird eine WhatsApp-Gruppe gegründet, ein Termin gefunden und das vereinbarte Treffen steht vor der Tür. Nach wenigen Minuten habt ihr den Plan in der Tasche, was bzw. wer der Grund dafür ist, dass die beiden so mit Nachdruck auf Freunde-Suche sind. Ihr fragt euch nicht nur, wie ausgerechnet diese beiden Menschen sich gefunden haben, sondern auch, ob es eine realistische Möglichkeit gibt, nur noch mit der männlichen Hälfte dieser Zweierkombo in Kontakt zu bleiben. Leider scheint ihr jedoch nicht abschreckend genug gewesen zu sein, denn es hagelt ab dem nächsten Tag Anfragen für erneute Treffen und Beteuerungen, wie schön man den Abend gefunden habe.
  1. Du bist auf dem Junggesellinnenabschied deiner Schwester eingeladen, auf den du dich seit Monaten gefreut hast, weil die Gruppe hauptsächlich aus guten Freundinnen besteht, die sich seit Ewigkeiten kennen und eine richtig coole Mädelstour geplant ist. Höchst gespannt bist du auf die Schwägerin in spe, die als Einzige neu in der Gruppe ist, was man von ihrem Verhalten aber so gar nicht meinen würde. Kaum da, reißt sie schon das Ruder an sich, hat 1000 Vorschläge, die offiziell zwar als „Anregungen“ verkauft werden, aber mit einem gewissen Unterton um die Ecke kommen, der unmissverständlich deutlich macht, dass man besser darauf eingeht, wenn es hier keine beleidigte Leberwurst geben soll. Natürlich hat sie zu allem eine Meinung und redet mit, als sei sie schon seit Jahren dabei. Sehr schnell ist dir klar, dass ihr zwei in diesem Leben keine besten Freundinnen mehr werdet.

In diesem Artikel werden wir die Frage klären, ob es okay ist, Beziehungen bewusst abzulehnen und dich wie gewohnt mit einfachen Praxistipps versorgen, wie dies gelingen kann, ohne dass es peinlich oder verletzend wird.

Wo ist das Problem und warum ist es trotzdem okay?

Wo ist denn jetzt eigentlich das Problem? Warum nicht einfach sagen „Ich glaube, das mit uns wird nichts. Danke und tschüss!“?

Der Mensch ist ein Herdentier und das Leben so angelegt, dass es alleine zwar möglich, in der Gruppe aber deutlich einfacher und prinzipiell auch schöner ist. Will man sich da wirklich freiwillig von Leuten distanzieren, auf die man vielleicht nochmal angewiesen sein könnte? Kann man sich das „leisten“?

Noch viel schwerwiegender als dieser Gedanke ist der Wunsch, niemanden verletzen oder vor den Kopf stoßen zu wollen – auch vor dem Hintergrund, dass man selbst so etwas nicht erleben wollen würde. Unschön ist die Vorstellung, demjenigen nochmal zu begegnen und möglicherweise jedes Mal aufs Neue diesen peinlichen Moment zu erleben, der mit Smalltalk und ganz viel aufgesetzter Freundlichkeit kaschiert wird. Ist es letztlich nicht irgendwo auch überheblich, zu entscheiden, dass man mit Person XY nichts weiter zu tun haben möchte? Klares Nein!

Der Mensch ist so komplex und individuell, dass nicht jeder mit jedem kompatibel ist. Auch hat keiner die Ressourcen, mit der ganzen Welt befreundet zu sein und diese Beziehungen so zu pflegen, wie sie es brauchen würden. Qualität statt Quantität, Authentizität statt Oberflächlichkeit und Zwang. Beziehungen sind nur dann wertvoll, wenn sie auf Ehrlichkeit beruhen. Was einem nicht am Herzen liegt, da investiert man auch nicht die Energie und das Herzblut, die es verdient hätte. Und was ist es dann wert bzw. wirst du dem anderen damit gerecht?

5 Tipps, wie du klug mit Menschen umgehst, die du nicht magst

Jetzt, wo das „ob“ geklärt ist, geht es ans „wie“. Eine Garantie für das perfekte Ende geben wir natürlich nicht, dafür nehmen wir dir mit unseren Anregungen hoffentlich die Sorge, dass es immer krampfig und peinlich werden muss.

  • Authentisch und glaubhaft verhalten. Wenn du wirklich vermeiden möchtest, den/die andere/n zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen, dann sollte es deine oberste Prämisse sein, authentisch und glaubwürdig aufzutreten. Verletzender als jede klare Ansage sind Verhaltensweisen, die vordergründig zwar Interesse vermitteln und eine gewisse Höflichkeit wahren, zwischen den Zeilen aber die unmissverständliche Botschaft enthalten, dass man eigentlich überhaupt nicht an einer näheren Beziehung interessiert ist. Anstelle ausgeklügelter Ausreden, Lügen, vorgetäuschter Termine oder einfach nicht mehr melden lieber ein ehrliches Statement, bei dem der/die andere sich nicht noch zusätzlich vorgeführt fühlt. Achtung: Wenn dir klar ist, dass du kein weiteres Treffen möchtest, dann verabschiede dich auch nicht mit „Das war ein total netter Abend, beim nächsten Mal sind wir dann dran“, sondern belasse es bei „Danke und gute Nacht“.
  • Für Klarheit und Verbindlichkeit sorgen. Auch wenn es vermeintlich weniger erfordert, für jedes Treffen eine neue Ausrede zu erfinden und sich von Termin zu Termin zu hangeln, ist es nicht nur fairer, sondern auf lange Sicht auch effektiver, Klarheit und Verbindlichkeit zu schaffen. Braucht zwar einmalig ein bisschen Mut, beugt allerdings auch vor, dass es bei zufälligen Aufeinandertreffen jedes Mal so ein bisschen komisch ist und unausgesprochen was in der Luft hängt. Klarheit muss auch nicht per se verletzend sein, wenn man nicht gerade die Persönlichkeit des Gegenübers als Begründung anführt. Ein Formulierungsbeispiel: „Wir sind beide beruflich und privat ziemlich eingespannt und deswegen froh um jede Verpflichtung, die wir nicht haben. Von daher wollen wir lieber keine Termine ausmachen.“
  • Weg von ganz oder gar nicht. Nur weil du dich einmal mit jemandem getroffen hast, der dir im Nachhinein eigentlich nicht liegt, heißt das nicht, dass du jetzt auf alle Ewigkeit nicht mehr aus der Nummer herauskommst. Auch ist nicht gesetzt, dass du ein Pärchen entweder gar nicht oder nur im Doppelpack bekommst, wenn du einen von beiden nicht magst. Man darf auch erst im Verlauf feststellen, dass man nicht auf einer Welle liegt und den Kontakt dann trotzdem noch beenden oder auslaufen lassen (hilfreiche Tipps dazu findest du auch in unserem Artikel „Wie du eine Freundschaft gut beendest„). Mag man den Partner einer Freundin nicht, sollte man lieber auf Mädels- statt Pärchenabende setzen oder die Person nur dann mit einladen, wenn die Gästezahl so groß ist, dass es sich verläuft. Ist es bei Bekannten eher der Mann, der einem liegt, könnte man seinem Partner den Vortritt lassen und vorschlagen, dass die Männer den Kontakt hin zum gemeinsamen Bierchen verlagern, anstatt krampfige Abende zu viert zu veranstalten.
  • Eigene Muster hinterfragen. Ist es schon häufiger vorgekommen, dass man jemanden auf den ersten Blick in die falsche Schublade gesteckt und nach einiger Zeit festgestellt hat, dass man sich eigentlich doch ganz gut versteht, gilt es, achtsam für die eigenen Muster zu bleiben und das eigene Verhalten zu hinterfragen. Wie ist es um meine Menschenkenntnis bestellt? Liegt es doch mehr an meinen Vorurteilen oder einem leichten Hang zur Intoleranz anstatt am Gegenüber? Neige ich zu Fehleinschätzungen oder brauche selbst etwas länger, um warm zu werden? Wenn du dir bezüglich dieser Fragen unsicher bist, solltest du dir vielleicht doch angewöhnen, den anderen zunächst besser kennenzulernen und dann dein Urteil zu fällen.
  • Alternative Beziehungsebene vorschlagen. Ist es nicht möglich, Kontakte ganz zu reduzieren, weil die Kinder sich beispielsweise sehr gut verstehen oder ist es auf einer oberflächlichen Ebene doch ganz nett, könnte es eine Lösung darstellen, eine alternative Kontaktgestaltung vorzuschlagen, mit der man gut leben kann. Anstelle von Pärchenabenden mit großem Brimborium ein unverbindliches Treffen am Spielplatz, sobald das Wetter besser ist, losen Kontakt über WhatsApp oder der Verweis darauf, dass man sich ja dann bald wieder im Eltern-Kind-Turnen oder beim gemeinsamen Nachbarn am Geburtstag wiedersieht. Klar abgrenzbare Gelegenheiten, zu denen man eh hingegangen wäre und die den Kohl nicht fett machen.

Jedes Töpfchen hat sein Deckelchen. Und das musst nicht zwangsläufig du sein.

Auch wenn der Mensch prinzipiell ein soziales Wesen und die Zeit auf diesem Planeten in der Gesellschaft von anderen deutlich angenehmer und einfacher ist, als alleine – man muss nicht jeden mögen.

Man selbst wird schließlich auch nicht von jedem gemocht und das ist angesichts der Individualität und Komplexität unserer Spezies völlig in Ordnung. Letztlich haben schon die typischen Außenseitergruppierungen in der Schule bewiesen, dass es am Ende doch für jedes noch so schräge Töpfchen ein Deckelchen gibt. Man kann getrost darauf vertrauen, dass diese sich irgendwann finden, auch ohne dass man selbst sich in irgendeiner Form engagiert.

Und in gewissen Fällen darf man sein eigenes Urteil über eine Person auch nochmal revidieren und sich eines Besseren belehren lassen, denn für manches im Leben braucht es einfach den berühmten zweiten Anlauf 😊


Liebe Leserin – Was ist dein Standardverhalten, wenn dir jemand nicht liegt und wie erfolgreich bist du damit bislang? Wir freuen uns über einen Kommentar mit deinen persönlichen Erfahrungen.

Weiterführende Links zum Beitrag:

Da auch an dieser Stelle die Fähigkeit, Nein zu sagen, wieder mal extrem hilfreich ist, verweisen wir nochmal auf den entsprechenden Artikel von den Kollegen von Zeit zu leben

 

Sei die Erste, die diesen Beitrag teilt!

Hinterlasse einen Kommentar