5 Tricks, wie du dich nicht mehr über Beratungsresistenz ärgerst

„Tja, du musst es ja wissen. Aber sag‘ nicht hinterher, ich hätte es dir nicht gesagt“. Bumm. Der absolute Klassiker unter den Sätzen, die man von seiner Mutter nur allzu gut im Ohr hat und als Kind wohl am allerwenigsten hören wollte. Gerne vorgetragen in dieser leicht spitzen Stimme mit unüberhörbarem Unterton und jeder Menge ungesagter Botschaft zwischen den Zeilen.

Nun muss man aber vermutlich gar nicht selbst Mutter sein, um  diesen Satz schon mal gesagt oder zumindest gedacht zu haben. Kommt dir eins der folgenden Beispiele bekannt vor?

  • Eine super gute Freundin, Karin, Susi, oder wie auch immer sie heißen mag. Ein toller Mensch, mindestens durchschnittlich attraktiv, hat was auf dem Kasten, ist beruflich erfolgreich und kriegt ihr Leben auch sonst ganz gut auf die Kette. Nur im Bereich Beziehung scheint sie irgendwie einen verdammt ausgeprägten blinden Fleck zu haben. Regelmäßig schleppt sie irgendwelche Kerle an, bei denen man keine Psychologin sein muss, um bereits auf fünfzig Meter Entfernung den Plan in der Tasche zu haben. Mit 40 noch überzeugter Bewohner von Hotel Mama, mal wieder arbeitslos oder ein großer Unterstützer der Spirituosen-Branche – da ist der Ausgang der Story quasi schon vorprogrammiert. Und obwohl du dir schon den Mund fusselig geredet und selbst potenzielle Kandidaten aus deinem Bekanntenkreis angeschleppt oder ihr zigmal geraten hast, doch wenigstens für eine gewisse Zeit mal die Vorzüge des Single-Lebens zu genießen, deine Freundin scheint völlig beratungsresistent zu sein (wir verweisen an dieser Stelle auch gerne auf unseren Artikel „Hilfe, meine Freundin hat kein Selbstbewusstsein!„).
  • Thema Kinder. Puh, ein Bereich mit viel Potenzial in jeder Hinsicht. Jeder, der selbst Kinder hat, wird unweigerlich die leidige Erfahrung gemacht haben, wie hochgradig nervig es sein kann, wenn einem plötzlich jeder reinreden will. Angefangen bei der Schwangerschaft, über Stillen, Füttern oder Schlafen. Auch hier sind die eigenen Mütter wieder ganz vorne mit dabei, gerne mit freundlichen Aussagen wie „Also vor 30 Jahren haben wir das so gemacht und da hat es schließlich auch funktioniert, oder bist du nicht groß geworden?!“. Ist man allerdings selbst irgendwann halbwegs in dem „Business“ angekommen und meint, auch nur ansatzweise verstanden zu haben, wie das mit den lieben Kleinen so funktioniert, kann es vorkommen, dass einem bei anderen Eltern Dinge auffallen, die wirklich grottenschief laufen. Prinzipiell nicht das Problem, würden sich diese nicht in regelmäßigen Abständen ausufernd darüber beschweren, dass das Kind einfach nicht schlafen will und sie nicht den Raum verlassen können, ohne dass es das ganze Haus zusammenbrüllt. Anstatt in Mitleid zu verfallen, merkt man, wie sich Ärger in einem regt, weil das Problem so offenkundig hausgemacht ist, die anderen davon aber nichts hören geschweige denn etwas verändern wollen.
  • Ungesunder Lebensstil trotz körperlicher Probleme. Auch ein weit verbreitetes Phänomen. Wie oft begegnen wir bei unserer Arbeit in der Klinik Menschen, die trotz gefährlich hohem BMI Stammgast beim Restaurant zur Goldenen Möwe sind und sich in die Klinik regelmäßig Pizza liefern lassen oder trotz Lungenvorerkrankung Rauchen, als gäbe es kein Morgen. Um dem ganzen noch die Krone der Absurdität aufzusetzen, wird gerne auch eine Ernährungsberatung angefordert, um dann am nächsten Tag genauso weiterzumachen wie zuvor. Beratungsresistenz at its best. Allerdings muss man diese nicht erst in deutschen Krankenhäusern suchen, solche Exemplare finden sich oft auch im eigenen Umfeld. Freundinnen, die sich über ihre Figur beschweren, aber Cola in rauen Mengen trinken (und nein, natürlich nicht die Zero- oder Light-Variante) oder predigen, dass Sport schließlich Mord ist.

In diesem Artikel liefern wir dir nicht nur Erklärungen, warum es immer wieder Menschen gibt, die deine Empfehlungen trotz ihrer offensichtlichen Genialität nicht beherzigen, sondern geben dir zusätzlich fünf ultimative Tipps an die Hand, wie du sinnvoll damit umgehst, ohne zur beleidigten Leberwurst zu mutieren.

Warum will jemand einfach nicht auf dich hören?

Beratungsresistenz sagt in aller Regel als allerletztes etwas darüber aus, wie gut deine Ideen sind. Stattdessen gibt es etliche andere Gründe, die viel naheliegender und wahrscheinlicher sind.

Es gibt einfach viele Menschen auf diesem Planeten – und das kann man ihnen nicht verdenken – die Angst vor Veränderung haben. Sei es, weil sie schlechte Erfahrungen mit Veränderungen gemacht haben oder nicht das entsprechende Vertrauen haben, dass sie solche Situationen gut bewältigen können.

Nicht nur am Arbeitsplatz, auch in der freien Wildbahn erkennt man sie gerne an dem für alle kreativen Köpfe und motivierten Frischlinge so verhassten Satz „Das haben wir aber schon immer so gemacht“. Für solche Menschen sind Gefühlszustände wie Unsicherheit oder ein drohender Kontrollverlust so schwer auszuhalten, dass Ideen von außen oder Empfehlungen postwendend in den Wind geschlagen werden.

Andere wiederum (z.B. die Freundin mit den schrägen Partnern) haben es möglicherweise nicht gelernt, ihre Handlungen an langfristigen Konsequenzen zu orientieren und schaffen es dementsprechend nicht, Empfehlungen umzusetzen, die auf lange Sicht ohne Frage klüger wären. Stattdessen verhalten sie sich bedürfnis- anstatt vernunftgesteuert, lassen sich von ihren Trieben und Emotionen leiten, machen eine Dummheit nach der anderen, weil sie den kurzfristigen Boost fürs Selbstbewusstsein oder das Spiel mit dem Feuer einfach brauchen.

Beratungsresistenz kann außerdem ein Ausdruck von Macht, eigenem Willen oder Freiheitsstreben sein, beispielsweise bei Kindern, die kategorisch das Gegenteil dessen machen, was die Eltern ihnen raten. Hier ist oft sogar allen Beteiligten klar, was die sinnvollste Herangehensweise wäre, Beratungsresistenz wird an dieser Stelle aber als Mittel gewählt, um auf Beziehungsebene eine Botschaft zu senden („Ich will die Dinge selbst regeln“, „Ich bin erwachsen“) oder durch Trotz und Auflehnung das eigene Ego zu schützen.

Und schlussendlich gibt es auch einfach Menschen, die es brauchen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen oder sich auf den Hosenboden setzen müssen, um zu verspüren, was richtig (gewesen) wäre. Was würden unsere Mütter dazu sagen? “Wer nicht hören will, muss fühlen.”

5 Tipps zum Umgang mit Beratungsresistenz

Wenn wir zu Beratungsresistenz beraten, wissen wir auch, dass es nicht DIE Strategie gibt und man – wie so oft – vielleicht verschiedene Herangehensweisen austesten muss, bis man etwas gefunden hat, was sich für einen selbst gut anfühlt, womit aber auch die Betroffene gut leben kann. Deswegen haben wir wieder fünf ganz unterschiedliche Ansätze für dich, die du beliebig ausprobieren oder auch kombinieren kannst.

  1. Keine Verantwortung für das Ergebnis aufladen. Egal wie sehr du deine Freundin magst und wie sehr du mit deiner Hilfe nur dazu beitragen möchtest, dass sich alles für sie zum Besten entwickelt, die Verantwortung für das, was daraus wird, liegt nicht bei dir. Dass jemand deine Meinung hören möchte oder Tipps von dir erfragt, heißt nicht automatisch, dass genau diese dann auch zur Anwendung kommen. Es geht um Ideen und Perspektiven, nicht um das Ergebnis. Wenn du das nächste Mal jemanden berätst, dann mache dir bewusst, dass es völlig legitim ist, wenn sich die andere – aus welchen Gründen auch immer – für einen anderen Weg entscheidet. Und wenn es schief geht, dann ist dies auch nicht deine Schuld. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Du lieferst Ideen, keine Patentrezepte (wir übrigens auch nicht).
  2. Nicht persönlich nehmen. Ob jemand deine Tipps beherzigt und diese dann auch zum Erfolg führen oder sich die andere letztlich dagegen entscheidet, sagt nichts über die Qualität deiner Ideen oder deine Kompetenzen als Beraterin aus. Beratungsresistenz ist eine mehr oder minder überdauernde Eigenschaft, die sich aus verschiedenen Gründen (siehe oben) entwickelt haben kann. Im Normalfall kannst du davon ausgehen, dass diejenige auch auf niemand anderen hören wird, selbst wenn der Dalai Lama sich persönlich äußern würde. Was eine Person tut, denkt oder fühlt, sagt in der Regel mehr über sie aus als über dich.
  3. Emotionen statt Vernunft ansprechen. Hast du dir selbst schon mal ein pervers teures Paar Plastikschuhe mit bekanntem Namen gekauft, obwohl du wusstest, dass der Preis niemals die Qualität, sondern nur die Marke rechtfertigt? Ja? Und warum? Wegen des guten Gefühls natürlich, mit denen du diese trägst (Stolz, Selbstbewusstsein, was auch immer). Bei Beratungen ist es häufig genauso, dass du noch so schlagkräftige Argumente bereithalten kannst, diese aber einfach nicht ziehen, weil dein Gegenüber kein Vernunfts- sondern ein Emotionsmensch ist. Bevor du dich also nächstes Mal wieder um Kopf und Kragen redest, führe deiner Freundin doch lieber sehr eindrücklich die Emotionen vor Augen, die auf ihr Verhalten folgen werden oder unter denen sie beim letzten Mal in der genau gleichen Situation so sehr gelitten hat (Traurigkeit oder Scham, wenn auch diese Beziehung wieder in die Binsen gegangen ist oder Ärger, weil sie ein Schrottauto gekauft hat, „weil es doch so schön aussieht“, das nun ständig repariert werden muss). Emotionen sind das, was hängenbleibt und noch lange nachwirkt.
  4. Den Weg nicht nur aufzeigen, sondern auch mitgehen. Wenn diejenige deine Empfehlungen deswegen nicht umsetzt, weil sie Angst vor Veränderung, Unsicherheit oder Kontrollverlust hat, dann kann es sich als hilfreich erweisen, nicht nur Rat anzubieten, sondern auch Unterstützung bei der Umsetzung. Solltest du merken, dass deine Freundin nicht von Haus aus mit Skepsis reagiert, sondern es ihr eher an Selbstvertrauen oder der Überzeugung fehlt, dass sie die Veränderung wird durchziehen können, dann biete ihr doch von Vornherein an, sie bei den erforderlichen Schritten zu begleiten. Mit ihr zum Sportkurs anmelden, wenn sie abnehmen möchte, die Vorzüge des Single-Daseins gemeinsam nutzen, und und und.
  5. Themen ausklammern. Es gibt einfach Themen, die einen irgendwann nur noch nerven und über die man am liebsten gar nicht mehr nachdenken möchte, weil man genau weiß, dass man sich schwarzärgert und dann nicht mehr davon herunterkommt. Liegt die Person dir trotzdem am Herzen, dann ist es vermutlich das klügste, gewisse Themen auszuklammern und sich gar nicht mehr zu einer Empfehlung hinreißen zu lassen. Freundlich, klar, bestimmt, ohne zwischen den Zeilen die beleidigte Leberwurst heraushängen zu lassen. Ein sehr galanter Weg könnte beispielsweise so aussehen, dass man darauf hinweist, für dieses Anliegen eher nicht die beste Ansprechpartnerin zu sein und auf jemand anderen verweist („Puh, da bin ich eher keine gute Beraterin, frag‘ doch vielleicht lieber XY“). Auch kann es schon helfen, sich nur noch dann dazu zu äußern, wenn Rat explizit eingefordert wird. Ansonsten in Ruhe lassen und keine schlafenden Hunde wecken.

Wer nicht hören will, muss fühlen – und das ist gut so!

Seien wir mal ehrlich: Beratungsresistenz ist vermutlich eines der Themen, von dem sich keine von uns freisprechen kann. Jede von uns hat mit Sicherheit schon mal Dummheiten gemacht, obwohl man sich dessen völlig bewusst war, gegen jeden guten Rat verstoßen oder mit dem Feuer gespielt, einfach weil der Reiz größer war als jede Vernunft.

Wer hat nicht bei seinen Eltern schon mal den Satz provoziert „Ich habe es dir doch gesagt“, nur weil man es anders machen, den eigenen Willen durchsetzen oder erwachsen sein wollte. Letztlich sind eigene Lebenserfahrungen, die guten UND die schlechten, absolut wichtig für die persönliche Entwicklung und die Erfahrungen, die man am eigenen Leib macht, durch kein Wort der Welt zu ersetzen. Manchmal muss man eben so richtig auf die Nase fallen, damit die großen Veränderungen in unserem Leben Einzug erhalten können 🙂


Liebe Leserin – An welcher Stelle im Leben hättest du besser mal auf den Rat von jemandem gehört und warum hast du es nicht gemacht? Teile es mit uns in den Kommentaren.

Weiterführende Links zum Beitrag:

Ein sehr gehaltvoller und informativer Artikel zum Thema Beratungsresistenz im Arbeitskontext findet sich bei den Kollegen von karrierebibel.de

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